Verwandlung – Die Kraft des Wermutkrauts

Wermut

Wer ist diese mächtige Strahlende, dort, an der Ostgrenze meines Zaubergartens ? Über zwei Meter hoch und so licht, daß die Konturen erst bei näherem Hinsehen erkennbar werden, streckt sie ihre silbrig leuchtenden Ruten hinauf zum Himmel, verbreitet ihr ungebrochenes Licht weit über den eigenen Körper hinaus.

Mit tausend lichtgelben Kügelchen übersät sind ihre zarten, langen Glieder; gefiederter Schmuck die samtweichen Blättchen. Gebannt, verzaubert stehe ich vor ihr, betört von dem alles durchdringenden Duft, so tief und aromatisch und vielschichtig.

Wenn sie so vor mir steht in blühender Pracht, fühlt sie sich an wie ein himmlisches, engelsgleiches Wesen. Reines Licht, durch und durch geläutert.
Dieser Lichtgestalt traut man kaum zu, mit welcher Entschlossenheit und Konsequenz sie zugreift, wie eine blutdrünstige Kali, geschmückt mit Totenköpfen und Rage in den wilden Augen. Doch wie auch die indische Göttin Kali hat es unsere einheimische Artemisia auf die Schatten abgesehen, denen sie kompromißlos entgegentritt um das Licht freizusetzen, das in ihnen gefangen liegt.
Als Wormwood bekannt bei den Kelten wurde sie zum Austreiben von Parasiten verwendet, im Alten Testament fällt beim Schall der dritten Posaune in der Offenbarung ein Stern genannt Wermut vom Himmel und ein Drittel der Wasser wurde zu Wermut, woran viele Menschen starben.

So erkläre ich mir auch, daß wirklich jeder und jede, die mit mir durch den Garten geht und am Wermut vorbei kommt, den Schritt verlangsamt, die Aufmerksamkeit sammelt und ein Gefühl von Ehrfurcht sich ausbreitet.

Transformation ist kein Zuckerschlecken

Das Reinigen und Läutern ist in der Tat ein nicht eben angenehmer Vorgang, denn eng verwoben sind wir Menschen mit unseren Ängsten und Schatten. Wenn da ein weises und mächtiges Wesen wie die Deva der Wermut eingreift, mag vieles in uns gegen die Bitterkeit sträuben, die sie mit sich bringt.
Bitter das „nein“ in unserem System zu erfahren – die Tibeter nennen es das „Geistesgift Haß“, das uns immer wieder dazu verleitet, göttliche Fügungen abzulehnen, sie als „nicht wünschenswert“, „nicht gut“ zu verneinen.
Bitter dar Verlust in unserem System, der keinem Menschen erspart bleibt und leicht als „Ungerechtigkeit“ mißgedeutet wird.
Bitter auch die Andersartigkeit der Menschen anzunehmen, die so gar nicht wertschätzen, was uns selbst wert ist, die so gar nicht wählen, was wir selbst so erstreben.

Doch mit dieser Bitterkeit nimmt Artemisia auch die Last von uns, die wir mit all diesen Vorstellungen und Gefühlen in uns festhalten. Sie entreißt, löst und erlöst, was längst überkommen ist. Sie fegt den Raum frei, in dem der staubige Mief vergangener Fehleinschätzungen vor sich hinmodert und schafft Raum für Licht.

Licht auf drei Wegen

In meinem Garten steht eine mächtige Deva. Ihr Feuerschwert ragt fein verziert hinauf in den Himmel und ich pflücke Blatt für Blatt, Stängel für Stängel. Der Duft weiblicher Entschlossenheit und wilder Lebendigkeit strömt mir entgegen, während ich Blatt für Blatt auf die Siebe lege – auch noch, als ich sie 48 Stunden später in wohl getrocknetem Zustand aus der Darre hole.
Der Tee vom Wermut ist etwas für die langsame, sachte und stetige Tiefenreinigung. Feuer (die Trocknung in der Darre) und Wasser (der Teeaufguß) setzen ihre Kräfte wohl geordnet frei und bringen sie über den Körper in mein System.

Anders ist es, wenn ich die blühenden Triebe geschnitten habe und in die Kupferdestille fülle. Feuer (unter dem Destillenkessel) und Wasser (als Dampf in der Destille) dringen rasch und ätherisch in die Deva ein, beschleunigen ihren ohnehin schon hoch frequenten Rhythmus, dringen über den feinstofflichen Raum in das System ein. Das schwarzgrüne Öl, das sich auf dem Destillat absetzt, ist so reich gesättigt an den hochwirksamen Stoffen (v.a. Thujon), daß die Verwendung des Reindestillats zu weitaus kräftigeren und schnelleren Ergebnissen führt.

Und nur sehr wenigen Menschen gebe ich ein paar Tropfen von der Spagyrischen Essenz des Aditi-Wermuts. Hier ist schnelle und radikale Hilfe vonnöten – ein längst überfälliger Sprung nach vorne, ein längst überfälliger, scharfer Schnitt nach hinten. Die Herstellung dieser Essenz nahm 36 Stunden in Anspruch, vereint alle Phasen der Aufbereitung nach den alchemistischen Prinzipien und sollte Ausnahmen vorbehalten bleiben.

Ich verneige mich vor der großen Deva, deren Familie auf der ganzen Welt die Hüterin selbst der Heilpflanzen ist.

Mehr zur Artemisia findest Du im Pflanzenprofil.
Zur Anwendung der unterschiedlichen Zubereitungen von Heilpflanzen lernst Du mehr in den TCM-Seminaren

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