Wie wir Heilpflanzen ernten

Sonnenhut Ernte

Es gibt in unserem Seminarprogramm einen Wochenendkurs, der „Pflanzen sammeln und Weihen“ heißt. So manche/r mag sich gefragt haben, was das sein soll und was das mit unseren kostbaren Kräuterprodukten zu tun hat. Spielt das Ernten eine Rolle bei hochwertiger Naturkosmetik ? Was bedeutet die Qualität “ handgesammelter Kräutertee “ ?
So schreibe ich heute zu diesem ganz zentralen Vorgang bei uns, denn er ist verantwortlich für die hohe Qualität, in der wir die Heilkräuter gewinnen können.
Keineswegs nur feinstofflich – auch sehr konkret und physisch.

Die Kräuterernte in Landwirtschaftsbetrieben – ob nun anthropososphisch oder konventionell – sieht in den allermeisten Fällen so aus, daß ein lärmender, tonnenschwerer Traktor mit Schneidwerk und gebläsebetriebenem Fangkorb in den meist blühenden Bestand fährt. Das Schneidwerk reißt oder quetscht den so genannten Blühhorizont der Pflanzen ab, das Gebläse schleudert das Erntegut in den Ladewagen. Alles was sonst noch im Weg ist – Insekten, Amphibien, Vögel, Würmer aber auch Pflanzen, wird platt gemacht. Die Pflanzen werden dann mehr oder weniger weit transportiert und entweder auf Betonböden abgekippt oder wiederum per Gebläse auf Sortierbänder oder in Trockenkammern geschleudert.
Bis hierhin sind bereits unzählige Quetschungen und Wunden an der Pflanze erfolgt. Ganz abgesehen von der Veränderung der feinstofflichen Verfasstheit der Pflanze. Mit Hitze und/oder wiederum im elektromagnetischen Feld eines Luftstroms werden die Kräuter sehr rasch getrocknet. Durch die zahlreichen Verletzungen entweichen vor allem die ätherischen Stoffe der Pflanze – neben Verrottungsprozessen an den Quetschungen, die nicht ganz zu verhindern sind. Über die maschinelle Verpackung, zum Teil tagelange Transporte und Neuverpackung gelangen die Kräuter dann letztlich in Verkaufsstellen, zB Apotheken oder in die Betriebe, die die Kräuter erneut zerkleinern oder mit anderen Stoffen vermengen. Die Qualitätsprüfung auf dem Kräutermarkt – ganz gleich ob es sich um eine medizinische, kosmetische oder lebensmittelbezogene Weiterverwendung handelt, besteht im wesentlichen in der Analyse einiger weniger biochemischer Stoffe (Wirkstoffe und Schadstoffe), bei anspruchsvolleren Händlern auch in Sichtprüfungen.

Eine solche Art des Umgangs mit Pflanzen ist bei Wild Natural Spirit gänzlich ausgeschlossen.
Neben der Reife der Pflanzen spielt für uns bei einigen Pflanzen auch die Mondphase eine Rolle, die Einfluß auf die Dynamik der Säfte in der Pflanze hat. Wenn unsere reifen Kräuter drei Tage hintereinander Sonne tanken konnten, legen wir frische Baumwolltücher in die Erntekörbe, schärfen unsere Messer oder Scheren und setzen uns an den Rand der Pflanzfläche. Wir richten alle Aufmerksamkeit auf genau diese spezielle Art, tauchen ein in ihre Gestalt und ihr Wesen. Manchmal tönen oder chanten wir sogar, um uns ganz auf dir Qualität des Heilkrauts einzustimmen.
Wenn sich jeder einzelne Erntende innig mit der Pflanze verbunden fühlt, beginnt er zu schneiden. Schweigend – die gesamte Zeit – mit ruhigen Bewegungen und in einer vorab wahrgenommenen Folge. Es wird nicht einfach in den Blühhorizont“ hinein geschnitten. Vielmehr ernten wir Pflanze für Pflanze und achten beim Schnitt darauf, daß die verbleibende, bei uns ja mehrjährige Pflanze, für sich in einem ausgewogenen, wachstumsfördernden Gleichgewicht bleibt: Mindestens 1/3 der Pflanze, als balancierter Pflanzenkörper, mit unversehrten Trieben wächst weiter auf dem Feld.
Immer wieder werden die geernteten Bündel sorgsam in die Erntekörbe gelegt, geordnet, liebevoll und mit dem Baumwolltuch vor Sonne und Wind geschützt. Wenn zwei, drei Körbe gefüllt sind, trägt der Erntende die Pflanzen ein paar Schritte zur Darre, sortiert sie und bereitet sie für die Trockennetze vor. Bei unseren Blüten – etwa Schafgarbe, Calendula und Sonnenhut – wird jede einzelne Blüte sorgsam auf das Sieb gelegt. Die befüllte Siebe werden in unsere Trockenschränke geschoben – und bei alldem ist den (schwer !) arbeitenden Menschen bewusst, für welchen Zweck und mit welcher Intention wir diese Kräuter ernten und in die Welt bringen. Wir weihen die Pflanzen mit dieser Intention und mit der Kraft des Ortes, an dem wir sie sammeln dürfen. Bei der Trocknung verwenden wir nicht 1 Kilowattstunde Strom – vielmehr haben wir Trockenvorrichtungen gebaut, bei denen  unsere Schätze lichtgeschützt und binnen 48 Stunden (das ist wichtig für Hygiene und Mikrobiologie !) durch reine Sonnenwärme den lagerfähigen Trocknungsgrad erreichen.

Sonnenhut Ernte
Sonnenhut

Das ist eine Kunst und ganz zu Beginn haben wir herbe Verluste hinnehmen müssen, weil wir die Pflanzen mit einem zu hohen Feuchtigkeitsgehalt verpackt – und dann verloren haben. Daher suchen wir die Pflanzen während der Trocknung immer wieder auf, wenden sie gegebenenfalls, kontrollieren Konsistenz, Duft und Farbe. Haben sie endlich die richtige Trockenheit erreicht, nehmen wir Sieb für Sieb aus der Trocknung wiegen und packen die Kräuter von Hand.Und an diesem Punkt sind die Pflanzenteile noch immer ungebrochen – eine einzige, gut verschlossene Schnittstelle. Daher sind sie den maschinell gewonnenen Pflanzen schon ganz offensichtlich in Aroma und Wirkstoffgehalt weit überlegen. Auch die natürlichen Farbstoffe sind erhalten – kräftiges Grün, sattes Orange, tiefes Pink.
Das ist, was wir mit „unversehrten Heilkräutern“ meinen.

Mach gerne einmal den Vergleich: Kaufe Dir eine Packung Ringelblumenblüten in der Apotheke, bei einem anderen Biobetrieb und ein Päckchen handgesammelter Kräutertee von Wild Natural Spirit: Du wirst den Unterschied sinnlich und feinstofflich ganz sicher wahrnehmen.