Part 4: Metall – Das Strukturierende

Metall

Aus der Reihe: Einheimische Heilkräuter und die Kraft der Traditionellen Chinesischen Medizin

TCM mit einheimischen Heilkräutern ist hochaktuell. Eine ganzheitliches Sichtweise, wie sie hierzulande längst in Vergessenheit geraten ist – verbunden mit der Nutzung unserer einheimischen Heilpflanzen befähigt jeden und jede von uns, eigenverantwortlich und umsichtig für die eigene Gesundheit zu sorgen.
Mittlerweile haben wir in dieser Reihe zur Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) gemeinsam die Qualitäten des Ätherelements (Holzelement), des Feuerelements und des Erdelements durchlaufen.

Eine Bewegung von der Vergeistigung (Luft / Äther) in die Dynamik und Vorwärtsenergie des Feuers hin zur Beruhigung, zur Setzung und Sammlung der Erde. Die natürliche Entwicklung lenkt den Energiefluß nun immer weiter in die Form, in die Struktur, wie wir sie im Reich der Mineralien antreffen.

Im Unterschied zu occidentalen Lehren, die vier Elemente unterscheiden, verstehen die orientalischen Lehren (auch die persische, ägyptische, südostasiatische und eben die chinesische) diese Qualität als deutlich unterscheidbar von der weichen, aufnehmenden und wandelnden Erdqualität.

Die kosmische Grundenergie des Metalls

Im Metallelement erreichen wir den zweiten Kulminationspunkt in der Wandlung von Yin zu Yang: Komplementär zum Feuerelement, in dem die Yin-Aspekte ein Maximum erreichten und „ins Yang kollabierten“ – findet in der Metallphase das Yang seine maximale Ausprägung – und kollabiert im Höhepunkt der Metallphase in das kleine Yin. Yang – das ist schwer, fest, trocken, zentripetal hell und heiß. Diese Entwicklung läßt sich bildlich gut aus der Erde kommend nachvollziehen: Die fallende Asche des erlöschenden Feuers sinkt zu Boden, sammelt sich, baut Masse auf, wird zu Erde. Bei fortgesetztem Verlauf entsteht immer mehr Masse, immer mehr Gewicht. Die einzelnen Teile sind auf minimalen Raum zusammengepresst, versteinern. Bewegung kommt (fast) ganz zum Erliegen – pure Form, reine Struktur stellt sich ein, so, wie wir sie von den Mineralien – den Steinen und Kristallen kennen. Das ist maximales Yang. Setzt sich dieser Vorgang fort, können wir in diesem Bild auch das „Kollabieren des Extrems“ beobachten: Das zunehmende  Gewicht „drückt“ auf das Zentrum des Vorgangs, auf den Erdmittelpunkt. Dort herrscht so viel Druck auf minimalem Raum, daß die aufgebaute Materie beginnt, den Aggregatzustand zu verändern – sie schmilzt. Wir können uns hier bildlich das heiße, zähflüssige Magma im Kern der Erde vorstellen.
Die Aufgabe von Form und Struktur zeigt an, daß Yin erneut ins Spiel kommt, die erstarrte Form beginnt neu zu fließen.

Die Symbolik in der TCM für metalltypische Kräfte sind vier rechtwinklig zueinander stehende Pfeile, die auf ein gemeinsames Zentrum deuten. Dies verdeutlicht, daß diese Phase in höchste Konzentration führt, definiert und strukturiert.

Die TCM unterscheidet – wie in dem Beispiel oben gezeigt – zwei Typen von Metall: Die vollständige Struktur, Stillstand, Masse, Form – das ist 6 graues Metall. Die zähflüssige Lava nach Überschreiten des Kulminationspunktes wird als 7 oranges Metall bezeichnet.

Mit dem Metallelement sind in der TCM der Herbst als Jahreszeit, die Farben silber, grau und orange, die Zahlen 6 und 7 sowie die Geschmacksrichtung „scharf“ assoziiert. Der Abend, der Nordwesten und die Definition, Form und Struktur.

Metallqualitäten im menschlichen System

In der TCM sind insbesondere Lunge und Dickdarm mit dieser Energiephase verbunden. Auch die Haut wird dem Metallelement zugeordnet. Organe also, die verdichten, filtern… und ausscheiden.
Diese Trennung von Wohltuendem und Belastenden ist die Hauptaufgabe.
Wann immer Körper oder Seele „aufgeweicht“ oder „unstrukturiert“ sind, das Fehlen von Form, Manifestation und Klarheit, erhalten wir Hinweis auf einen Mangel im Metallelement. Aber auch Schwächen in der Immunabwehr, eine dysfunktionale Innen-Außenwahrnehmung (zB Hypersensibilität, Irritierbarkeit, Manipulierbarkeit) zeigen ein geschwächtes Metallelement an.
Umgekehrt sind Erstarrung und Impulslosigkeit ein Hinweis für einen Überschuss an Metallenergie.

Häufig gehen Störungen in dieser Energiephase mit Trauer und Depression einher: Die geordneten Abläufe – insbesondere die Verdauung – physisch wie psychisch –  sind aus dem Gleichgewicht.

Der das Metall im Körper regierende Geist wird in der TCM Po genannt.
Po, auch „Geist des Lebens“ genannt, steht für das körperbezogene Gedächtnis, hat mit körperlicher Erinnerung zu tun. Der Kolleg Eduard Trip zitiert aus dem Neijing: „Die Aufgabe des Po („Körperseele“) ist es, die physischen Prozesse des Körpers aufrecht zu erhalten. Er ist verantwortlich für instinktive Reaktionsmuster, die ohne geistige (bewußte) Kontrolle ablaufen. Der Po steht für Kraft, Lebensmut und Draufgängertum. Es geht um die Aufrechterhaltung der lebensnotwendigen Funktionen, um den Überlebensinstinkt einerseits und um die körperliche Entfaltung andererseits. Die alten Chinesen gingen davon aus, daß Po nach dem Tod im Körper verbleibt.“

Ist das Metallelement geschwächt, ist auch die Abwehrfunktion des Organismus (Wei Qi) auf allen Ebenen schwach. Der betreffende Mensch ist krankheitsanfällig und unfallgefährdet. Sein Überlebensinstinkt ist geschwächt. In der Eskalation mündet eine Störung des Metallelements darin, daß man in seinem Leben keinen Sinn mehr sieht.

Die Antwort auf solche Störungsmuster heißt: Strukturen festigen – Kanäle öffnen und reinigen.

Es geht um das Führen der physischen und psychischen Energie. Hierzu braucht es klare Leitungen, klare Grenzen und Richtungen einerseits – aber auch durchlässige Wege und Bahnen andererseits.

Mit Blick auf unsere Ernährung fördern wir das Metallelement durch Gebackenes, Gedörrtes, durch weißes Wurzelgemüse, scharfe Würzung (Ingwer, Chili, Pfeffer) und vor allem: Reduktion.
Es muß ja nicht zwingend Fasten sein – die berühmte „Diet Number Seven“ von George Oshawa hat mir persönlich schon viele Male dazu verholfen, mein System auf allen Ebenen zu bereinigen, zu Klären und zu kräftigen.
Und natürlich nutze ich meine Heilpflanzen, um meine Metallkraft aufrecht zu erhalten und zu stärken.

Heilpflanzen mit einer ausgeprägten Metallqualität

Um herauszufinden, wie ich über Heilkräuter die Metallenergie im menschlichen System erreichen kann, hielt ich zunächst Ausschau nach Pflanzen, die von ihrem Habitus klar definierte Formen aufwiesen, die eher „verschlossen“ als zugänglich waren, eher von trockener als fetter Substanz.

Ganz offensichtlich ist der Salbei (Salvia officinalis) eine Pflanze, die diese sehr yangen und yangisierenden Eigenschaften trägt: Sein trockener, aufrechter Wuchs mit der Tendenz, rasch zu verholzen und seiner enormen Langlebigkeit trägt ein hohes Maß an metallisch-mineralischen Qualitäten. Als Destillat verwendet hilft er, Strukturen aufzubauen, Zentrierung und Konzentration zu fördern und damit auch die Fähigkeit, im Inneren zu halten. Er wärmt, festigt und treibt das Fremde aus Geist und Körper.
Daher empfehle ich diese Pflanze bei Menschen, die sich schwer tun, bei sich zu bleiben, sich zu konzentrieren und Energie zu halten. Auch bei Schlaffheit und Müdigkeit regen sein intensiv-aromatischer Duft und sein bitter-scharfer Geschmack die Sinne an.
Auf der Haut wirkt die Naturreine Gesichtspflege tonisierend, porenverfeinernd und klärend. Insbesondere bei entzündlichen Hautveränderungen, wie etwa der Akne, ist der Salbei (neben Kamille) die Hautpflege, zu der am meisten positive Rückmeldungen vorliegen.

Doch auch der Rote Sonnenhut (Echinacea purpurea)  mit seinem außerordentlich festen, aufrechten Gebäude, seinen markanten violetten Stielen und den auffällig kompakten, schweren Blütenböden ist eine Pflanze, mit der die Metallenergie hervorragend übermittelt bzw. aktiviert werden kann: Mit ihm habe ich gute Erfahrungen gemacht bei allen Abgrenzungsthemen.

Als letzte der Metallenergie übermittelnden Pflanzen sei der Baldrian (Valeriana officinalis) genannt, der bereits an der Schwelle zum Wasserelement steht: Diese Pflanze repräsentiert die Metallenergie nach dem Kulminationspunkt – also nach dem Zusammenbruch des übermäßigen Yang in das fließende, kleine Yin. Er ist als Pflanze eine wunderbare Antwort auf Menschen, die sich in übermäßiger Spannung und Fokussierung befinden, gibt einen Impuls in die nächste Phase, in das Fließen und Aufnehmen, wie es die Yin Qualität des Metalls mit sich bringt.

Und da die Metallphase eine besondere Bedeutung für Hautthemen hat, noch eine letzte Anmerkung zum Einsatz der Pflanzen zur Hautgesundheit: Generell sind Hautkrankheiten mit Störungen im Metallelement verbunden. Im Falle von Rissen, allergischen Bildern und Überempfindlichkeiten macht es auch Sinn, die Naturreine Gesichtspflege der oben beschriebenen Pflanzen direkt einzusetzen.
Bei Hautproblemen jedoch, in denen Trockenheit, Spannungsgefühle und Ansammlungen (Knoten, Verstopfungen, Pigmente) auffällig sind, liegen eher Störungen vor, in denen ein Zuviel an Metallenergie gegeben ist. Hier Antworten wir jeweils mit dem Komplementär (Feuerelement) oder der auf das Metall folgenden Energie (Wasserelement). Wie ich die TCM in der Hauttherapie verstehe, kannst Du hier eingehender nachlesen: https://www.wild-natural-spirit.org/tcm-in-der-kosmetik/

Den metallbetonten Heilpflanzen ist gemeinsam, daß sie sowohl eine Sonnen- wie auch eine Saturnsignatur tragen. Das Überdauernde, Strukturierte, klar Abgegrenzte steht im Vordergrund. Sie vermitteln unmittelbar Richtung und Eindeutigkeit.

In Resonanz mit dem menschlichen System gebracht, erzeugen sie Aufrichtung und Festigung – sowohl auf körperlicher wie auch auf mental-emotionaler Ebene.
Das ist die Qualität der Metallenergie.

Ich lade Dich ein, mit den Qualitäten der Fünf Wandlungsphasen und den Kräutern, die ihnen zugeordnet sind, zu experimentieren. Hierfür habe ich die „TCM Boxen“ zusammengestellt – Kombinationen aus Rohdrogen und Destillaten, die die jeweilige Wandlungsphase repräsentieren und fördern.
Wenn Du deine Wahrnehmung hier schulst und verfeinerst, wirst Du Dich in der belebten Natur besser orientieren können, Entwicklungsverläufe erkennen und vorhersehen können. Vor allem aber wirst Du in der Lage sein, in Systeme gezielt einzugreifen, Ungleichgewichte zu beheben und Fließgleichgewichte wiederherzustellen, sei es dein Garten, sei es dein Körper oder sei es dein Umfeld. Probiere es und übe Dich !

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Ich möchte klarstellen, daß meine Betrachtungen KEINE medizinische Beratung ersetzen. Überhaupt sehe ich mich in keinerlei Konkurrenz zur konventionellen Medizin oder Pharmazeutik. Denn mein Umgang mit den Pflanzen und meine Leidenschaft für die TCM sind weit entfernt von Heilversprechen, die ich per se und egal von wem sie kommen für unlauter halte. Heilung ist nach meiner Auffassung ein Vorgang, der weder von irgendeinem einzelnen Menschen „gemacht“ werden kann, noch ein Ereignis, das sich in der immer gleichen Weise auf jeden Menschen übertragen läßt.
Insofern lade ich dazu ein, die Qualitäten der kosmischen Grundenergien individuell wahrnehmen und einsetzen zu lernen, den Blick auf die eigene Gesundheitsverfassung vom Symptom zu lösen und zu lernen, systemisch und in Fließgleichgewichten zu denken und vor allem das vieldimensionale Wirkspektrum unserer einheimischen Heilkräuter zu erforschen.
Gerne können wir das auch gemeinsam in einem der Seminare auf dem Berg Aditi tun. Hier ist eine Übersicht zu den Angeboten: https://www.wild-natural-spirit.org/seminare-und-praxiswochen/

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