Werden und Vergehen – ein Geschenk der Ohnmacht

Sterbebegleitung

Der November liegt bald hinter uns – und mit ihm auch überdurchschnittlich viele Todes- und Verlusterfahrungen. Der Winter ist von jeher die Zeit des Sterbens, des Vergehens und Abschiednehmens.

In meinem Umfeld sind in den letzten Monaten viele Mütter und Väter, Kinder, nahe Verwandte und geliebte Weggefährten gestorben – Mensch wie Tier – und so konnte ich einmal mehr beobachten, mitspüren und manchmal zum Glück auch begleiten in diesem – heiligen – Geschehen.
Ihr wißt, wie sehr ich das Leben ehre und schütze und wie kompromißlos ich für diesen Schutz einstehe: Auf Aditi wird kein lebender Baum gefällt, keine mehrjährige Wurzel gezogen und zerstört, kein Tier (von Menschenhand) getötet. Leben ist etwas Heiliges – und der Tod ist es auch.

Begleiten als Mensch

Unsere Angst vor dem Tod ist so groß, daß wir ihn allzuoft nicht so geschehen lassen, wie das Leben es bestimmt. Wir sprechen von „erlösen“ und „Leid beenden“ und rechtfertigen somit Eingriffe in den möglicherweise wichtigsten Vorgang der Bewußtseinsentwicklung überhaupt.

Bitte mach Dir bewußt, daß Du nicht beurteilen kannst, was in dem Sterbenden geschieht. Mach Dir vielmehr bewußt, daß es deine Hilflosigkeit, deine Ohnmacht, deine Verlustangst, dein Schmerz sind, die Dich zu dem Gedanken treiben, das Leid (des anderen) beenden zu müssen.

Hast Du die Macht, Leben zu schöpfen ?
Und hast Du dann das Recht, Leben zu beenden ?

Hiermit appelliere ich aus tiefster Seele an Dich, auszuhalten, ein geliebtes Wesen in Schmerz, in Angst, im Todeskampf zu erleben – deine eigenen Ängste, deinen eigenen Schmerz zurückzustellen – und den/die Geliebte nicht daran zu hindern, zu sterben, wie das Leben es für erforderlich hält.
Und zugleich bitte ich Dich, alles zu tun, was in deine menschlichen Hände gelegt ist, um dieses geliebte Wesen bis zum Ende zu begleiten, wirklich zu begleiten, nicht abzubrechen. Laß ihm deine Liebe zufließen, gib deinen Schutz – soweit er natürlicher Weise reichen kann.

Doch bitte, bitte, beende Leben nicht !
Leben beendet sich selbst genau dann, wenn die Seele bereit ist für den Wechsel. Keine Sekunde eher.

Begleiten, Lindern, Salben

… das ist, was uns als Menschen gegeben ist. Liebe und Mitgefühl im Angesicht des Todes ermöglichen uns die Überwindung von Angst, Trauer, Ekel – und so wachsen wir über innere Grenzen hinaus – zusammen mit dem Sterbenden, der eine noch viel größere Hürde zu überwinden hat.
Oft – doch nicht immer – ist Tod von starken Schmerzen begleitet. Wie Du aus eigener Erfahrung weißt, geschieht parallel zum Schmerzgeschehen noch etwas anderes, etwas, das wir im Normalzustand kaum erreichen können.

Erinnere Dich an einen Moment überwältigenden Schmerzes in deinem eigenen Leben. Erinnerst Du Dich ? Ich meine, an das, was mit deinem Bewußtsein und dann nachhaltig mit deiner Wahrnehmung geschehen ist ?

Was wir für unsere Geliebten auf dem Weg in den Tod tun können, ist – neben dem sichern des ungestörten Sterbens – die Angst und die Widerstände überwinden zu helfen.
Durch unsere eigene Ruhe und Zuversicht. Durch liebende Berührung, bestärkende Worte, wache Präsenz. Gerne empfehle ich hier auch die Heilkräuter als Begleiter zu nehmen.
Vorzugsweise solche, die eine Sonnensignatur (alle Aditi-Pflanzen) gegebenenfalls in Verbindung mit einer saturnischen Signatur tragen (Hirtentäschel, Königskerze, Kornblume, Holunder). Unter den Heilkräutern, mit denen ich arbeite, sind in diesem Zusammenhang besonders die Minzen, Ysop und Melisse geeignet.

In der Schilderung einer Kundin, die ihre im Koma liegende, lebensgefährdete Schwester mit den Spirits begleitete, ist auf die beste Weise beschrieben, wie wir begleiten können, ohne in die Mysterien des Lebens einzugreifen. Mareikes Schwester kam aus dem Koma zurück. Doch auch wenn sie weiter gegangen wäre, beschreibt Mareike in ihrem Kundenbrief ganz genau, wie dieses Lindern und Begleiten im Antlitz der Ohnmacht geschehen kann. Ihren Bericht findest Du hier: https://www.newslichter.de/2020/05/hingabe-und-liebe/

Auch meine liebe Freundin Conny begleitete ihren Vater im September in den Tod. Und in seinen letzten Tagen salbte sie ihren Vater mit kostbaren Ölen und Pflanzenessenzen. Ihre Berichte hierzu sind „mindblowing“. Ich kann das so nicht wiedergeben. Doch die Heilheit der Pflanzenseelen und der Akt der ohnmächtigen, ganz und gar dienenden und liebenden Salbung hat nicht nur dem Vater einen ruhigen, ja: königlichen Weg beschert, sondern wohl auch Linderung und Licht in das ganze Familiensystem gebracht.  

Besonders schwer wird es, wenn der Widerstand sich zu Schmerz aufbaut. Es muß das „Halten“, die „Fixierung“ durchbrochen werden – und der Schmerz nimmt uns jede Möglichkeit, verstandesgesteuert zu verhindern, verstandesgesteuert einzugreifen.
Im Mysterium des Todes gipfelt diese Erfahrung besonders bei solchen Menschen, die ein hohes Maß an Kontrolle entwickelt haben. Bevor Du sie betäubst, lehre sie, wenn Du sie noch erreichen kannst, das Atmen. Lehre sie, den eigenen Widerstand, das eigene Gebäude zu durchbrechen, weich und frei zu atmen.

Wer es noch nicht kennt, dem empfehle ich das Tibetische Totenbuch zu lesen. Es gibt wertvollen Aufschluß über die Vorgänge und auch die notwendigen Handlungen während des Sterbeprozesses.

All jenen, deren Aufgabe es in den kommenden Monaten ist, durch Schmerz und/oder in den Tod zu begleiten, sende ich den Mut, die Ohnmacht zuzulassen und das Menschgegebene zu schenken. Und ich sende natürlich auch meine Spirits, deren Licht uns überall begleitet.