Permakultur lernen

Basilikum

Permakultur ist ein neues Modewort, von dem viele bisher gar nicht wußten , was das eigentlich ist.
Wie immer schießen die Expert*innen zur Permakultur wie Rüben aus dem Boden – Holmgren ist ein neuer Guru (obwohl gar nicht er der erste war, der über Permakultur schrieb, sondern Stout und Fukuoka) – und das Kursangebot samt Zertifikat boomt.

Ich frage mich, wofür man ein Permakultur-Zertifikat braucht.
Wird es so sein, wie beim Yoga, daß viele binnen weniger Monate eine sogenannte „Ausbildung“ absolvieren und dann meinen, lehren zu können ?

Für mich ist es genauso, wie bei allen „Wissenschaften“, die eng mit der inneren Haltung verbunden sind: Permakultur lernen wir nicht aus Büchern oder in Kursen. Sondern wir erschließen sie uns – über Jahre – indem wir einen Garten auf wüster Fläche anlegen, ihn hinauf hegen zur Frucht, mehrere Erntezyklen durchlaufen mit hochwertigem Gut, das uns ernährt. Dabei entsteht ein deutlich sichtbarer Wandel in der Vielfalt von Fauna und Flora – das teil kultivierte Land trägt sich und uns zunehmend ohne großes Zutun.

Dann… ist Permakultur verinnerlicht.

Was vermittelbar ist

Wenn es nun um den Anfang geht, ist es etwas leichter, an der Erfahrung (!) anderer teilzuhaben.

Es ist letztlich nicht viel, was es zu „wissen“ und zu vermitteln gibt, um anzufangen und mit der Natur zu lernen. Ganz sicher lernt sich das, was es zu wissen gilt, jedoch dort, wo Permakultur bereits gelebt wird und dort, wo es bereits gelungen ist, „aus dem Land und mit dem Land zu leben“.

In meinen Praxiswochen auf Aditi und dem Seminarskript sind freilich die wichtigsten Prinzipien der Permakultur abgebildet:

  • Kreislaufwirtschaft: Und das heißt bei uns ganz sicher nicht „Pappe auf den Boden“ und Terra Preta kaufen und draufschütten. Vielmehr heißt es „nichts Fremdes rein – und nur den Überschuss raus“
  • Maximal 1/3  – 1/4 kultiviertes Land – der Rest ist der Regeneration und dem Aufbau der vor Ort gegebenen Ökostruktur vorbehalten, die das Kulturland mitträgt (daher auch kein EM oder Ähnliches)
  • Kein oder minimaler Einsatz von Mineralöl und Elektrizität
  • Ausschließlich einheimische Pflanzen, davon max 1/3 Einjährige – so erübrigt sich auch (weitgehend) eine Vorzucht im Gewächshaus

Und natürlich gibt es auch biologisches und technisches Grundwissen zu sinnlicher Bodenanalyse, Pflanzenverträglichkeiten, Bodenverbesserungsmaßnahmen aus den gegebenen Ressourcen, physikalische Eckpunkte zu Wasser- und Nährstoffzyklen.

Im Verlauf der vier Tage, in denen ich meine Teilnehmer in ihre eigene Permakultur begleite, ist das aber nur Begleitmusik, die sich in tausendundeins Büchern nachlesen lässt.

Viel wichtiger für das Anlegen und Erhalten eines intakten Ökosystems sind Beobachtung und Wahrnehmung.

Naturverbundenheit

Was für ein Wort ! Doch ist es nicht genau das, wonach wir uns sehnen ? Den Puls der Erde wirklich zu spüren, Teil des Lebensflusses zu sein, eingebettet, genährt und gebraucht vom Land, das uns trägt und ernährt ?

Und dieses Gefühl erschließt sich kaum, wenn wir ein paar Pflanzen in der Gärtnerei kaufen und dekorativ im leblosen Boden arrangieren, der jedes Jahr aufs neue mit industriell hergestellter Blumenerde aufgebessert werden muss…

Das Atmen und Pulsieren mit dem Land, die Fülle und Fruchtbarkeit, die zwischen Mensch und Natur ausgetauscht wird, entsteht durch bereinigte Wahrnehmung und verwebt sich durch intensive, körperliche Verbindung.
(kommt Dir das aus anderen zusammenhängen bekannt vor ? 😀 … )

Das „bereinigte Wahrnehmen“ bildet das Zentrum meiner Kurse auf Aditi, denn hier sind die meisten Menschen weitgehend ungeübt.
Doch wie will ich sinnvoll gärtnern – den Platz für Beete bestimmen, sinnvolle Pflanzenkombinationen wählen, förderliche Pflege betreiben – wenn ich gar nicht erkenne, was vom Land selbst gegeben ist ?

Eines der Homgren´schen Permakultur-Prinzipien lautet: „Arbeiten von den großen Mustern ins Detail“.

Mit dem Land gehen

Die „großen Muster“ sind geologische und klimatische Unterschiede, aber auch energetische Wechsel innerhalb des Raumes, den dein Land umspannt.
Dein Apfelbaum wird nicht gedeihen, wenn Du ihn in eine Kältefalle stellst. Dein Gemüse wird von Schnecken und Wühlmäusen gefressen werden, wenn Du den „Austauschbereich“ statt die „Vorratskammer“ für deine Beete wählst.

Die qualitativen Unterschiede innerhalb des Gartenraums erschließe sich nicht über optisch-ästhetische Merkmale. Vielmehr erfordert es dein Eintauchen, dein Lauschen, um Räume und Verbindungen wirklich zu erkennen. Wie das geht, lernen und üben wir in den Praxiswochen.

Ganz ähnlich ist es dann in den kleineren Strukturen: Die Anordnung der Pflanzen zueinander, die ganz eigenen Qualitäten der Pflanzen selbst – und auch die Information, die bestimmte „Beikräuter“ uns zum Stand unserer Kulturen geben, wollen wahrgenommen werden.

Handeln wir, ohne diese Aspekte zu erkennen, spielen wir Roulette; Gärtner oder Erdenhüter können wir in diesem Blindflug jedoch kaum werden…

Das Wahrnehmen selbst ist eine der zentralen Haltungen, die wir Menschen in dieser Zeit wieder erwerben müssen. Es ist wie ein Schlüssel zur Tür unseres Ursprungs. All das „Wollen“ und „Brauchen“ hat uns selbst ausgeschlossen aus dem natürlichen und reichen Lebensfluss.

Fühl Dich also ermutigt, „dein“ Land zu finden und zu hüten. Befreie Dich und das Land von Konzepten und Vorstellungen und vertraue Mutter Natur, die Dir zeigt, daß und wie es gehen kann.

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