Ringelblume

Ringelblume – Die Energie, die geschöpft werden will

Seit Wochen ziehe ich mich aus diesem intensiven Arbeitsjahr zurück, bewege mich zurück in meinen inneren und äußeren Tempel Aditi, sehne mich nach der innigen Begegnung draußen, mit den Bäumen, mit dem Wind, mit dem Himmel und der Erde.

Es ist die Zeit, in der ich mich wieder mehr den feinstofflichen Aufgaben widmen kann, den Geistbaum besuchen, die Medizinräder pflegen, das ganze Feld reinigen genauer erkennen, was es braucht.
Die heftigen Sonnenstürme der letzten beiden Jahre und die damit verbundenen krassen Temperatur- und Niederschlagsschwankungen sind Ausdruck höchster, transformativer Energie auf unserem Planeten, die natürlich auch uns Menschen einnimmt.

Ich spüre, dass wir „das Heftigste“ bald hinter uns haben. Und so tritt das Ausglichen und Unterscheiden, wieder etwas in den Hintergrund. Wir können das, was diese Zeit überstanden hat, nun nähren und neu aufbauen. Unter den Heilpflanzen in meinem Garten ist hierfür die Ringelblume die wichtigste Begleiterin.

Das Orange des Lebens

In der Homöopathie, der Anthroposphie und auch in der Hildegard-Medizin ist die Ringelblume nicht nur als Haut-Heilerin bekannt, sondern vor allem als Heilkraut, das die Rekonvaleszenz nach schwereren gesundheitlichen Phasen fördert.

Ihre Vitalität zeigt sich nicht nur in der schier endlosen Blühkraft von April bis in den Dezember hinein. Ihre saftigen, aufrechten Stiele, ihre intensiv grünen, satten Blätter und natürlich das berauschende Orange ihrer Blüten strahlen Lebenskraft pur. Der grün-frische Duft belebt die Sinne.

Doch das ganz besondere an dieser Pflanze ist ihre Aufrichtungskraft. Die Calendula braucht keine verholzten Stützelemente, keine tiefen Wurzeln, um zu stehen, wie sie steht. Sie schöpft ihre unbeirrbare, strahlende Vitalität aus sich selbst, aus dem steten Treiben der eigenen Säfte. So bezieht sie ihre Kraft – energetisch betrachtet – aus sich selbst, aus der inneren Eigenbewegung.

Im Unterschied zu anderen Heilpflanzen, wie etwa der Melisse oder der Schafgarbe – findet sich bei der Calendula wenig Rezeptives, wenig Aufnehmendes, Interagierendes. Vielmehr strahlt sie – und sie strahlt aus sich heraus, für sich.
Ob es regnet, windet oder trocken ist: Ihre Blüten sind geöffnet, ihr Stand ist immer kraftvoll und aufrecht.

Diese Eigenständigkeit, dieses Strahlen aus sich selbst heraus war mir wichtiges Vorbild in den vergangenen Monaten.
Ich wusste, dass ich unendlich viel Arbeit vor mir hatte, ich nahm hin, dass die Welt um mich herum verrückt spielte, ich musste damit klarkommen, dass mein Lebensunterhalt stark beschnitten wurde.
Doch mit dem Orange im Herzen, das mich in der Ringelblume-Ernte gut vier Monate begleitete, tat ich Schritt für Schritt. Ungeachtet, ob benötigte Einnahmen kamen oder nicht, ob Unterstützer*innen mit anpackten oder nicht: Ich richtete mich und Aditi aus uns selbst heraus auf.

Wie durch ein Wunder war trotz der besonderen Herausforderungen das Lager im Herbst gut gefüllt mit den herrlichen Destillaten, duftende Säcke kostbarer Tees hingen unter dem Dach – ich schwelgte in den Aromen und Farben, mit denen mich das Land erneut beschenkt hatte. Ich erfuhr – einmal mehr – daß Energie im Wesentlichen nicht durch eine Zufuhr von außen oder durch Austausch entsteht, sondern im aus der Belebung der inneren, eigenen Energiequelle, die in eine Bewegung aus sich selbst heraus geführt wird.

Die Kraft des Inneren Kreislaufs

In unseren Gedanken, in unserer inneren Haltung und Kalibrierung der Wahrnehmung liegt die Kraft verborgen, die uns strahlen läßt.
So, wie ich den Berg seit nunmehr zehn Jahren in einer sehr strikten Kreislaufwirtschaft halte – weder Dünger noch Pflanzenschutz noch fremde Arten hinein gebe – sondern lediglich die genau hier vorhandene Substanz und Energie aufnehme, „kultiviere“ und pflege – mehren sich Strahlkraft und Fruchtbarkeit des Ortes.

Hinwendung und Konzentration beleben sich selbst, bauen die innere Kraft auf und lassen sie im Leben pulsieren.

Das zeigt mir auch meine geliebte Ringelblume, die selbst nach den ersten Frösten hie und da orange hervorsticht im blattlosen Dezembergrau. Dort, wo ich die einjährige Pflanze im Herbst nicht aus den Beeten nehme und sie über den Winter stehen bleibt, überdauert sie meist den Winter, steht aufrecht, strahlt, treibt erneut im Frühjahr. Ich staune ….

Der Neumond und die Rückkehr

Kurz vor diesem besonderen Neumond kürzlich bekam ich also den Impuls, endlich einmal wieder für viele Stunden in das Land, in Aditi einzutauchen und zu lauschen.

Ich ging morgens hinunter zum Geistbaum und begann den Platz, das Medizinrad, den Schattenbaum – das ganze Feld zu reinigen und ihm zu huldigen. Viele Stunden rechte ich das Laub, zog die gegebenen Strukturen nach, beschnitt die Schlehen und Rosen, setze Moos neu an – und immer wieder hielt ich inne, lauschte, lauschte hinein in die Stille, betrachtete die Pflanzen in ihrem Winterkleid.

Und ich entdeckte, dass die Energie langsam sich beruhigt und in erneuerter Qualität sich aufbaut. Dass Mutter Erde beginnt, nach den enormen Impulsen von der Sonne, sich neu zu ordnen und an Kraft zu gewinnen. Ich spürte das Pulsieren unter meinen Füßen, den steigenden Energiefluss und eine Art Aufrichtung und Strahlen – mitten im Winter.

Vielleicht magst auch Du heute hinaus gehen und nachspüren.
Vielleicht magst Du ein paar getrocknete Kräuter aus deinem Garten oder aus Aditis Schätzen räuchern – draußen, über dem Land, das Du liebst und das Dich nährt.
In Stille, alleine, aus deiner ganz eigenen Kraft. Und vielleicht begegnet Dir auf dem Rückweg eine blühende Ringelblume oder ein singender Distelfink.

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Ringelblume – Die Energie, die geschöpft werden will