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Part 2: Das Feuer – Dynamik und Ausdehnung – Aus der Reihe: Einheimische Heilkräuter und die Kraft der Traditionellen Chinesischen Medizin

Ein Teil der Mission, die ich mit Wild Natural Spirit verfolge, besteht darin, uns alle wieder näher an die Vorgänge der beseelten Natur zu führen. Uns zu lösen von einem einseitig nutzenorientierten Umgang mit dem natürlichen Reichtum, den unsere Erde hervorbringt.
Wenn wir die Kraft der Natur in vollem Umfang für unsere körperliche und geistige Gesundheit erfahren wollen, müssen wir uns lösen von einer rein symptomorientierten Behandlung und lernen, die natürlichen Zyklen und Wirkspektren zu verstehen.
Ich orientiere mich sowohl beim Anbau unserer Heilkräuter als auch bei der Produktion der Essenzen und ihrer Anwendung bei bestimmten menschlichen Mustern an der sehr pragmatischen und zugleich ganzheitlichen Systematik der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM).

Das ermöglicht mir nicht nur, die Kräuter mit geringstem Aufwand in die reichste Blüte zu begleiten, sondern auch, das volle Wirkspektrum einer Pflanze zu erkennen und in Resonanz mit den Bedürfnissen eines Menschen, der die Pflanze für sich anwenden möchte, zu bringen. Schritt für Schritt lernen meine Anwender/innen so auch selbst, bestimmte Störgrößen, die sie bei sich feststellen, in einem größeren Zusammenhang zu erfassen und sich selbst die Mittel zuzuführen, die weniger auf Verdrängung und Beseitigung gerichtet sind, sondern vielmehr auf die Wiederherstellung natürlicher Fließgleichgewichte.

Nachdem ich im vorausgegangenen Beitrag die Qualitäten des Holz- bzw. Ätherelements in der TCM skizzierte und den Widerhall dieser gerichteten, aufstrebenden und verfeinernden Phase in den Minzen, Melissen und im Ysop zeigte, folgen wir dem natürlichen Wandlungsstrom heute zum Feuerelement.

In der Ätherphase wurde alles Schwere, Solide, Gebundene verfeinert und entstofflicht. Hierauf folgt mit der Feuerphase nun die vollständige Loslösung von Form und Prägung: Das Feuer ist die pure Bewegung – auswärts gerichtet, doch in der Richtung wahllos, 360 Grad wird die freiwerdende Energie nach außen geschleudert, alles in Bewegung gebracht und seiner vorausgegangenen Programmierung entledigt.

Nicht ohne Grund gilt das Feuer als der Transformator schlechthin – denn seine vollkommen befreite Bewegungsenergie lässt keinen Stein auf dem anderen, setzt alles in Bewegung.

Da in dieser Phase ein Kulminationspunkt zwischen Yin und Yang liegt, nutze ich die Gelegenheit, an dieser Stelle noch einmal etwas auf diese beiden Komplementäre einzugehen:
In den ursprünglichen Wissenschaften wurde der Lebensgeist, die vis vitalis oder die Schöpferkraft immer als das Zusammenwirken zweier Grundkräfte betrachtet: Adam und Eva, Shiva und Shakti, Geist und Materie, Merkur und Sulfur – und eben: Yin und Yang.
Die chinesischen Schriftzeichen für diese beiden lebenerschaffenden Kräfte sind „die beschattete Seite des Berges“ (Yin) und „die sonnenbeschienene Seite des Berges“ (Yang). Sie beschreiben Grundprinzipien, die sich in jedem irdischen Phänomen wiederfinden. Jeder Körper, jeder Zustand dieser Welt enthält einen bestimmten Anteil an Yin- und einen bestimmten Anteil an Yang-Charakteristik. Diese Zusammensetzung definiert das jeweils betrachtete Objekt.
Das Yinjing (Auch als I Ging oder Buch der Wandlungen bekannt) vermittelt uns das wissen darum, daß diese spezifische Zusammensetzung nicht von Dauer ist, daß sie, wie alles Irdische, der steten Verwandlung unterworfen ist nach einer immerwährenden Folge: Den Fünf Wandlungspahsen (oder Fünf Elementen). Der Yin-Anteil in einem System wächst solange an, und verdrängt das Yang, bis das System zusammenbricht – und Yang aufgebaut wird. Solange, bis wiederum das Yang ein Maximum erreicht, das System zusammenbricht und wieder mit dem Aufbau von Yin beginnt.
Das Feuerelement ist nun der „Kulminationspunkt des Yin“: Hier erreicht der Yin-Aspekt – das Dunkle, Feuchte, Flüchtige, Expansive aufgebaut im Holz-/Ätherelement sein natürliches Maximum und kollabiert im Zentrum der Feuerphase.

Die kosmische Grundenergie des Feuers

Das Feuerelement bringt das Greifbare, Feste, Strukturierte (Yang) zur (fast) vollständigen Aufhebung, versetzt alles und jedes in Bewegung, schleudert die dem Yang innewohnende Hitze hinaus in die Peripherie (daher werden in der TCM gerötete Körperteile in der Peripherie – Fingerspitzen, Zehen, Nase als „überschießendes Feuer“ interpretiert).
Die resultierende Bewegung ist nach außen gerichtet – ohne differenzierbare Richtung oder Struktur Die Verwandlung von Materie in Bewegung setzt Energie frei – in Form von Wärme, Handlungen, Ideen.  Sie verausgabt sich, bis alles umgesetzt ist und sinkt nach ihrem lodernden Tanz in die letzte Glut zusammen, um zu Asche, zu Erde zu werden. Dies leitet dann die Folgephase ein, die Erde, die sammelt, verdichtet, sich setzt und neues Yang aufbaut.

Mit dem Feuerelement sind in der TCM der Sommer als Jahreszeit, der Süden als Himmelsrichtung, die Farbe rot, die Numerologie der Zahl 9 (hier gibt es Abweichungen zwischen dem Nine Star Ki und dem Neijing), Vollendung, Transformation, die Geschmacksrichtung „bitter“ assoziiert. Der „helllichte Tag“, der Mit-Tag, die körperliche Aktivität und Shen – der innewohnende Geist, der für Intelligenz, Wendigkeit und Lebensmut zuständig ist.

Feuerqualitäten im menschlichen System

In der TCM sind insbesondere Herz und Dünndarm mit dieser Energiephase verbunden. Organe also, die für Bewegung und Verteilung verantwortlich sind.  Und mit ihnen die Blutbahnen und Gefäße, die sich – dem Feuer gemäß- bis in die äußerste Peripherie verteilen und verästeln.

Ist dieser Energiefluß nicht im Gleichgewicht, kommt es – bei einem „Zuviel“ – zu übermäßiger Aktivität – die sich in Unruhe, Herzrasen, Durchfall oder geplatzten Äderchen (Rosacea et alteri) zeigen kann. Bei einem Mangel zeigen sich Phlegma, Verkrustungen, harte Geschwülste, Antriebslosigkeit und Depression. Psychisch zeigt sich ein Ungleichgewicht der Feuerenergie in Hysterie und Aktionismus, die sich jeder Ansprechbarkeit, jeder Regulierung entziehen.

Die Antwort auf solche Störungsmuster heißt: Kontrollierte Transformation.
Ein System, in dem Entladung und Verteilung nicht natürlich stattfinden können, braucht Wärme, Anschub, Unterscheidung und Beweglichkeit.

Heilpflanzen mit einer ausgeprägten Feuerqualität

Die Dynamik des Feuers – die alles in Bewegung setzende, transformierende Kraft – ist nach meinen Beobachtungen am deutlichsten bei allen Artemisia-Arten gegeben. Nicht umsonst sind die Beifußgewächse in aller Welt und zu allen Zeiten Medizinpflanzen – insbesondere Schutzpflanzen.
Ihre stark gefiederten Blätter, ihr schier unzähmbarer Wuchs, die rispenförmigen Blüten versprengen Duft und Energie und Impression großzügig.

Die gesamte Gattung der Artemisia ist reich an Bitterstoffen und ätherischen Ölen. Mein Glaskolben ist schwarz von diesem Öl nach vollendeter Destillation !
Und so findet sie ihre Anwendung bei tiefen Reinigungsprozessen – körperlich wie seelisch. In Japan werden die kugeligen Blüten der Artemisia zur Moxabustion verwendet – eine Behandlung, bei der die glühenden Pflanzenteile über Akkupunkturpunkte gehalten werden. Heimisch ist bei uns neben dem Beifuß der Wermut (artemisia absinthum). Ihn bevorzuge ich, wenn es um starke Reinigungs- und Transformationsprozesse geht. Hier findest Du meine ausführlichen Informationen zur Artemisia absinthum.

Etwas weniger radikal, dafür umso hitziger ist auch der Thymian eine klassische Pflanze aus dem Feuerelement. Auch er sorgt für Bewegung – doch eher an der Peripherie – also als Schleimlöser in den oberen Bronchien oder als Muskeltonikum bei Verspannungen. Und so, wie er Wärme und Bewegung sanft durch den Körper dringen läßt, so wirkt er auch auf unsere geistigen und seelischen Prozesse: Er stimuliert, ermutigt und belebt.
Ein ausführliches Pflanzenprofil zum Thymian (thymus vulgaris) findest Du hier: https://wild-natural-spirit.org/thymian-und-destillat/

Das Treibende, Bewegende ist bei diesen Pflanzengattungen auch für die antivirale Wirkung ausschlaggebend. Kein Halt für Fremdes, Überkommenes.

Die sanfteste, einheimische Heilpflanze aus dem Formenkreis der Feuerelements, mit der ich arbeite, ist die Ringelblume. Daß sie vor allem dem Feuerelement zuzuordnen ist, war mir auch nicht gleich erkennbar. Mit ihrer unbeugsamen Vitalität und Strahlkraft bewegt sie sich schon in die stabilisierende und sammelnde Aura, die im Erdelement dann zu voller Ausprägung kommt. Und auch strukturbildende Fähigkeiten, wie sie erst dem Metallelement zueigen sind, finden sich in dieser allbekannten Heilpflanze. Dies macht sie zu einer hervorragenden Helferin, wenn es um Ausleitung und Rekonvaleszenz geht. Die Ringelblume bringt den Stau in Fluß – und das verdankt sie ihrer feurigen Seite. Doch als bekanntes Mittel bei Prellungen und bei der Wundheilung enthält sie eben auch bereits das „Gefäß“, das Formgebende, das auf die Transformation folgt. Ein ausführliches Pflanzenprofil zur Calendula findest Du hier: https://wild-natural-spirit.org/die-ringelblume-und-ihr-hydrolat/

In der Anwendung der Feuer-Pflanzen auf der Haut sprechen wir Veränderungen an, die sich in einem Mangel an Erneuerung und Vitalität zeigen. Thymian und Wermut auf der Haut wären ein zu arger Impuls für unsere empfindliche Hülle, deren Aufgabe ja ganz wesentlich Abgrenzung und Struktur sind. Daher habe ich mich bei der Gesichtspflege auf die Ringelblume konzentriert, die nicht nur bei neurodermitischen Problemen bereits zu zahlreichen positiven Rückmeldungen geführt hat, sondern auch als kräftigende, klärende Tagespflege ganz herrlich wirkt und pflegt und das Hautbild sehr schön verfeinert.

Das ist die Qualität der Feuerenergie.
Ein spezielles Arrangement an Kraut, Destillat und Kosmetischem Pflanzenauszug habe ich in der “TCM Box Feuerelement” zusammengestellt

***

Ich möchte klarstellen, daß meine Betrachtungen KEINE medizinische Beratung ersetzen. Überhaupt sehe ich mich in keinerlei Konkurrenz zur konventionellen Medizin oder Pharmazeutik. Denn mein Umgang mit den Pflanzen und meine Leidenschaft für die TCM sind weit entfernt von Heilversprechen, die ich per se und egal von wem sie kommen für unlauter halte. Heilung ist nach meiner Auffassung ein Vorgang, der weder von irgendeinem einzelnen Menschen „gemacht“ werden kann, noch ein Ereignis, das sich in der immer gleichen Weise auf jeden Menschen übertragen läßt.
Insofern lade ich dazu ein, die Qualitäten der kosmischen Grundenergien individuell wahrnehmen und einsetzen zu lernen, den Blick auf die eigene Gesundheitsverfassung vom Symptom zu lösen und zu lernen, systemisch und in Fließgleichgewichten zu denken und vor allem das vieldimensionale Wirkspektrum unserer einheimischen Heilkräuter zu erforschen.
Gerne können wir das auch gemeinsam in einem der Seminare auf dem Berg Aditi tun. Hier ist eine Übersicht zu den Angeboten: https://wild-natural-spirit.org/seminare-und-praxiswochen/

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Part 1: Der Äther – Das Feinstoffliche – Aus der Reihe: Einheimische Heilkräuter und die Kraft der Traditionellen Chinesischen Medizin

Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) hat bis heute das Wissen um die vielschichtigen Vorgänge bewahrt, die bei der Gesunderhaltung unseres Körpers und unseres Geistes relevant sind. Anders als die monokausalistische und symptomorientierte Sichtweise der modernen abendländischen Heilkunde betrachtet sie Gesundheit als ein Fließgleichgewicht der kosmischen Komponenten, aus denen alles Leben gemacht ist: Luft, Feuer, Erde, Metall und Wasser.

Das macht sie überlegen gegenüber Ansätzen, die ein Symptom lediglich beseitigen – und dabei an unzähligen anderen Stellen neue Ungleichgewichte erschaffen.
Denn bereits bei der Diagnose wird nicht nach einem einfachen „auf A folgt B“-Zusammenhang (monokausalistisch) gesucht – etwa: Ein Mangel an Thyroxin bewirkt eine Schilddrüsenunterfunktion, was zu unerwünschtem Übergewicht führt. In der TCM wird stattdessen der IST-Zustand eines Menschen als Ganzes erfaßt – also etwa nicht nur das Übergewicht, sondern auch die gerötete Haut, der verlangsamte Puls, die träge Darmtätigkeit, die Antriebslosigkeit bei gleichzeitiger Neigung zu Angstzuständen in Betracht gezogen. Und erst hieraus läßt sich eine angemessene Antwort auf die Verfassung des Menschen finden, die so viel mehr ist als „das Übergewicht soll weg“.

Ich befasse mich nun seit 30 Jahren mit der TCM und der ihr zugrundeliegenden Elemetenlehre. Die TCM hat eine ganz eigene Abteilung der Kräuterheilkunde – doch leider handelt es sich bei diesen Kräutern größtenteils um Pflanzen, die bei uns nicht heimisch sind und von daher mit unseren zentraleuropäischen Energiemustern oft nicht gut kompatibel sind. Natürlich macht es einen Unterschied, ob ich eine Pflanze, die unter gleichen Bedingungen lebt und wächst, wie ich selbst, einsetze – oder eine Pflanze verwende, die mit einem ganz anderen Klima, unter völlig abweichenden Boden-, Wasser- und Magnetfeldbedingungen „programmiert” ist. Zudem sind die langen Transportwege und die schwer kontrollierbaren Schadstoffbelastungen von Heilkräutern aus Zentralasien ein ernst zu nehmender Faktor.

So lag es nahe, nach Heilkräutern unserer heimischen Flora Ausschau zu halten, die im Sinne der ganzheitlichen Betrachtung geeignet sind, unser Wohlergehen zu fördern oder wiederherzustellen.

Nach drei Jahrzehnten habe ich diese europäischen Heilkräuter identifiziert und in ihrem Wirkspektrum hinreichend untersucht. In der fünfteiligen Reihe, mit der ich heute beginne, skizziere ich den Zusammenhang zwischen den fünf Grundenergien der TCM, bestimmten einheimischen Heilkräutern und menschlichen Verfasstheiten.

Dem natürlichen Zyklus entsprechend beginne ich diese Reihe mit dem Äther- oder auch Holzelement.

Die kosmische Grundenergie des Äthers

In der ewigen, natürlichen Verwandlung von Yin zu Yang und wieder zu Yin ist die Äther- oder auch Holzenergie die Phase, in der das Körperliche, Solide und Eigendynamische ganz aufgehoben und in das Geistig, Feinstoffliche überführt wird.

Klassisch werden Bilder wie der Baum, der Sproß (Holz), Wind und eben Äther und feinstoffliche Phänomene in der Natur zur Veranschaulichung dieser Grundenergie verwendet.

Der Energiestrom ist vertikal nach oben gerichtet – und wohlgemerkt: gerichtet – die Aufhebung von Schwere, Grenzen und Stagnation ist, was diese Energie bewirkt.

Die Ätherphase folgt auf die strukturlose, ungerichtete Fließbewegung der Wasserphase, gewinnt an Ausrichtung und hebt die Form vollständig auf. Durch den Zugewinn an Richtung verstärkt sich die Dynamik – das nach-oben-Strömen – bis sie endlich eine so starke Bewegung aufbaut, daß sie in der extremen und allgerichteten Transformation der Feuerphase mündet.

Mit dem Äther- oder Holzelement sind in der TCM der Frühling als Jahreszeit, die Farbe grün, die Numerologie der Zahlen 3 und 4 sowie die Geschmacksrichtung „sauer“ assoziiert. Der frühe Morgen, die geistige Aktivität.

Äther- und Holzqualitäten im menschlichen System

In der TCM sind insbesondere Leber und Gallenblase mit dieser Energiephase verbunden. Organe also, die für Reinigung, Lösung und Klärung verantwortlich sind.  Der Gelbe Kaiser (genauer: das Huángdì Nèijīng – Standardwerk der TCM) spricht hier von der „Körperseele“, die den elementaren Selbsterhaltungstrieb verwaltet.

Ist dieser Energiefluß nicht im Gleichgewicht, kommt es zur Kumulation von Schad- und Fremdstoffen, kann Aufgenommenes (materielle und immaterielle Nahrung) nicht verarbeitet und assimiliert werden.
Auch der gesamte dynamische Apparat – Sehnen und Muskeln – sowie das Blut und die Sehkraft repräsentieren diese Energiephase. Psychisch zeigt sich ein Ungleichgewicht der Ätherenergie in Groll und Wut, die plötzlich und gerichtet hervorbrechen.

Die Antwort auf solche Störungsmuster heißt: Gerichtete Expansion.
Ein System, in dem Reinigung, Lösung und Klärung nicht natürlich stattfinden können, braucht Lockerung, Kühlung und Ausrichtung (Ventil)

Heilpflanzen mit einer ausgeprägten Äther-/Holzqualität

Nach meinen Beobachtungen tragen die ätherischen Lippenblütler (Lamiaceen) sämtlich und vorrangig diese expansive Energiequalität des Äther- oder Holzelements.
Ganz besonders die Minzen in ihrer mannigfachen Variation (mehr als 300 Arten !) übermitteln das Raumgreifende, Durchdringende, Reinigende, was diese Energiephase charakterisiert. (Zu dieser Familie habe ich sehr ausführliche Pflanzenprofile geschrieben: https://wild-natural-spirit.org/wasserminze/ ).

Ich persönlich arbeite mit drei Minzesorten: Der „handfesten“, besonders in der keltischen Kultur geehrten Wasserminze (mentha aquatica), die einen außerordentlich ausgeprägten Corpus und somit eine deutlich wahrnehmbare Erd-Himmels-Achse mit sich bringt. Zudem die differenziertere, stark stimulierende klassische Pfefferminze (mentha piperita), die ich gerne bei punktuellen Verhärtungen und Stagnationen einsetze. Und dann das ganz besonders geartete Kräutlein Krauseminze (mentha crispa spicata) bei Menschen, die empfindlich auf Menthol reagieren. Krausminze ist die einzige Minzeart, die kein Menthol, dafür aber ausgeprägt Carvon enthält. Sie kommt bei den Fällen zum Einsatz, bei denen die Störung im Ätherelement nicht aus einem Yang- sondern aus einem Yinüberschuß resultiert; begleitende Symptome sind hier oft Blähungen, Zyklusbeschwerden oder yininduzierter Migräne. Aber jetzt sind wir ja schon wieder bei der Symptomorientierung, von der ich gar nicht so viel halte ! Migräne zum Beispiel kann so unendlich viele Grundverfassungen als Ursache haben, daß die Beobachtung „Migräne“ alleine nicht ausreicht, um die richtige Antwort zu finden.

Auch unsere Melisse (melissa officinalis) ist eine vortreffliche Repräsentantin des Ätherelements. Sie ist nicht ganz so „forsch“ (auch eine Holz/Äthereigenschaft) wie die Minzen, berührt das System etwas sanfter und spricht auf der zweiten Ebene auch das zum Holz komplementäre Erdelement an.
Bereits an der Schwelle zum Feuerelement ist der transzendente Ysop und sein Destillat.

In der Anwendung der Äther-Pflanzen auf der Haut sprechen wir Veränderungen an, die sich in Verhärtungen, Rauhheit, Großporigkeit ausdrücken. Hier fehlt der verfeinernde, lockernde und lichtende Impuls des Ätherelements und genau hierfür stelle ich aus Melisse, Ysop und Krauserminze auch die Gesichtspflege aus dem Reindestillat her.

Den Lippenblütlern gemeinsam ist die besondere Form ihrer Blüten, die Blütenkronen erinnern an Ober- und Unterlippe. Das Blattwerk ist meist sehr zart und stark strukturiert, oft gezähnt, die Stengel oft aufrecht, hohl und vierkantig.
In Resonanz mit dem menschlichen System gebracht, erzeugen sie unmittelbar Kühlung, Lockerung und Entspannung – sowohl auf körperlicher wie auch auf mental-emotionaler Ebene.
Die gestaute Energie darf sich ausdehnen, das Verfestigte, Grobstoffliche darf sich heben, leicht werden und in Bewegung kommen.
Das Verwirrte, Verschachtelte darf sich aus- und Aufrichten.

Das ist die Qualität der Ätherenergie.
Ein spezielles Arrangement an Kraut, Destillat und Kosmetischem Pflanzenauszug habe ich in der “TCM Box Ätherelement” zusammengestellt

***

Ich möchte klarstellen, daß meine Betrachtungen KEINE medizinische Beratung ersetzen. Überhaupt sehe ich mich in keinerlei Konkurrenz zur konventionellen Medizin oder Pharmazeutik. Denn mein Umgang mit den Pflanzen und meine Leidenschaft für die TCM sind weit entfernt von Heilversprechen, die ich per se und egal von wem sie kommen, für unlauter halte. Heilung ist nach meiner Auffassung ein Vorgang, der weder von irgendeinem einzelnen Menschen „gemacht“ werden kann, noch ein Ereignis, das sich in der immer gleichen Weise auf jeden Menschen übertragen läßt.
Insofern lade ich dazu ein, die Qualitäten der kosmischen Grundenergien individuell wahrnehmen und einsetzen zu lernen, den Blick auf die eigene Gesundheitsverfassung vom Symptom zu lösen und zu lernen, systemisch und in Fließgleichgewichten zu denken und vor allem das vieldimensionale Wirkspektrum unserer einheimischen Heilkräuter zu erforschen.
Gerne können wir das auch gemeinsam in einem der Seminare auf dem Berg Aditi tun. Hier ist eine Übersicht zu den Angeboten: https://wild-natural-spirit.org/seminare-und-praxiswochen/

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Mit den Spirits durch die Rauhnächte

Rauhnächte

In den Rauhnächten – 12 Nächte nach der Wintersonnenwende – wachten die Alten während der Dunkelheit, riefen die Götter und baten um Zeichen für den Verlauf des kommenden Jahres. Einst war dies eine Geste der Demut, ein „Sich-Öffnen“ für den Willen des großen Ganzen.
Über die Zeit wurde – wie ganz allgemein aus dem Beten – ein egozentrisches Wunschkonzert daraus, eine weitere Variante, individuelle Begehrlichkeiten und Wünsche zu formulieren.

Das zurück liegende Jahr lehrte uns alle, dass es nicht darauf ankommt, was wir wollen. Vielmehr dass wir uns daran erinnern, wie dieses „Lauschen und Empfangen“ geht, wie wir uns öffnen und einfügen können in den unaufhaltsamen Strom des Lebens.

Im Rahmen meiner Seminare – beiläufig in den Praxiswochen und explizit in den Seminaren zur Pflanzenmedizin – lege ich großen Wert auf dieses Lauschen. Es hätte wenig Sinn, nur die Wirkspektren der Pflanzen zu erklären oder die Konzepte der Fünf Wandlungsphasen aus der Traditionellen Chinesischen Medizin zu vermitteln. All dies hat wenig Wert, wenn das Wahrnehmen nicht aktiviert ist und die wirklich relevanten Informationen – die immer gegenwärtig und von Situation zu Situation, von Mensch zu Mensch verschieden sind – wenn diese Aspekte nicht aufgenommen werden würden.

In meinem Leben sind es die Pflanzen, die mir helfen, dieses „Hineinweben“ täglich zu praktizieren. Sie machen mir vor, wie ich still werden kann (Melisse und Baldrian), wie ich mich verankere genau dort, wo ich gerade stehe und meine Kontaktfläche zwischen „innen“ und „außen“ klar wahrnehme (Sonnenhut).
Sie führen meine Wahrnehmung aus dem weltlichen Geschehen in den feinstofflichen Zusammenhang (Wasserminze und Schafgarbe), aktivieren meine „Antennen“ für die Informationen aus dem großen Zusammenhang (Ysop).
Und wenn ich zurückkehre aus dem reinen Wahrnehmen, wenn es darauf ankommt, hier, auf dieser Erde mit diesem Körper zu manifestieren, wofür ich stehe, so wärmt mich die goldene Kamille in die Welt hinein und der Salbei hilft mir, mit den dreidimensionale Strukturen zurecht zu kommen.

Vielleicht konnte ich mit diesen Gedanken inspirieren, deine Rauhnächte einmal anders zu gestalten.
Dir in den Nächten zwischen dem 21. Dezember und dem 2. Januar jeweils einen Spirit mit hinaus unter den Sternenhimmel zu nehmen und das Lauschen zu üben.

Unabhängig von den großen Ankündigungen und Erwartungen aus den Reihen der Astrologen, Yogis und Mayaforscher, ist wohl für alle klar, dass dieses Jahr 2020 mit seinen außergewöhnlichen Ereignissen, ein Jahr 2021 einläutet, in dem wir neu aufgestellt und in veränderten Rahmenbedingungen uns wiederfinden.
Nutze die „Stille Zeit“ also diesmal – nicht, um all das, was Dir fehlt und missfällt anders zu wünschen – vielmehr, um zu vernehmen, wohin das Leben uns lenkt und wie Du in bester Weise deinen Platz dort einnimmst.

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Muster erkennen, Energie lenken

Energiemujster TCM

Energiemuster sind in der TCM ganz zentral.
In Zusammenhang mit den Spirits bekomme ich immer wieder Anfragen, welche Pflanze denn die richtige sei. In den folgenden Gesprächen wird deutlich, wie sehr wir doch an der symptomatischen und analytischen Betrachtung der Dinge gewöhnt sind.
Bei Husten Salbei, bei Kopfschmerzen Pfefferminze, bei Schlafstörungen Baldrian.
Und auch wenn solche Erscheinungen einen ersten Ansatzpunkt liefern, so werden sie einem ganzheitlichen Verständnis unseres Körpers und des Geschehens bei Krankheit und Heilung nicht gerecht.

Ständiger Wandel

Nach vier Jahren naturwissenschaftlichem Studium hatte ich mich in meinen frühen Zwanzigern abgewandt von der kausalistischen und intervenierenden Herangehensweise an die Natur. Wenig später lernte ich den japanischen Gelehrten und WHO-Berater Michio Kuchi kennen, der mich an die ganzheitliche Betrachtung der fernöstlichen Lehren heranführte.
In der TCM (Traditionelle Chinesische Medizin) – wie übrigens in allen orientalischen Heilkunden – schauen wir nicht auf ein einzelnes Symptom, kennen auch nicht die Clusterung von Symptomen zu festgeschriebenen Krankheitsbildern, wie sie im ICD-10 Code angewandt werden.

Vielmehr betrachten wir jedes System – ob Körper, Garten oder Gesellschaft – als ein einzigartiges Phänomen, das sich in einem ständig sich verändernden Fluss bestimmter, energetischer Qualitäten befindet. Diese Qualitäten beschreiben Grundenergien, wie sie überall in der Natur vorkommen: Etwa eine aufsteigende, sich dematerialisierende Qualität, wie die, die in Pflanzen von der Wurzel bis hinauf in die Blätter im Wind wirkt. Oder eine sich verdichtende, trockene, schwere Qualität, wie die, die wir in Steinen und Mineralien finden, und so fort. Derartige Betrachtung und Beschreibung enthält so viel mehr Informationen, als etwa die Aussage: „Das Laubblatt hat ein Loch“. Die Qualitäten, derer wir uns hier zu Erfassung des Geschehens bedienen, werden verglichen mit den Fünf Elementen, die unsere physische Welt definieren: Wind, Feuer, Erde, Mineral und Wasser.

Fließgleichgewicht

Der natürliche Zustand enthält alle diese energetischen Phasen – in einem fließenden Gleichgewicht. Die eine Phase geht in die nächste über, keine ist dominant, alle sind in wechselnder Zusammensetzung vorhanden und eine Flussrichtung fördernd.
Störungen – also mehr, als nur körperliche Krankheit, die oft die allerletze Ausprägung einer Störung auf einer feinstofflichen Ebene ist – treten auf, denn der Fluss (an Lebensenergie) nicht mehr natürlich strömt: Etwas staut oder fließt zu schnell, verdunstet und Mangel entsteht oder wird „brackig“ und eine Barriere entsteht …

Es braucht Energie, um ein solches Ungleichgewicht aufrecht zu erhalten.
Der natürliche Fluß erfordert hingegen ein Minimum an Energieaufwand – eher setzt er Energie frei.
Diese Energiebarriere, die wir aus welchen Gründen gebildet und damit Ungleichgewicht in uns erzeugtz haben, muß überwunden werden. Um dann das „Zuviel“ zu mindern oder den Mangel aufzufüllen. Um Dynamik, Konsistenz, etc. wieder in ein natürliches Fließgleichgewicht zu bringen.

Doch wo ansetzen ?
Wo die Barriere überwinden ? Und mit welcher Qualität ?

Genau hier dient mir die Systematik der TCM sehr, den ganzen Menschen, das ganze Geschehen zu erfassen, seine enthaltenen – und fehlenden Qualitäten zu erfassen, zu erkennen, wo Energie nicht fließt oder zu stark austritt und von welcher Qualität ist.
Diese Grundlagen erarbeite ich mit den Teilnehmer*innen des Diagnostik-Kurses.

Die TCM bedient sich dann – beim Versuch, das Fließgleichgewicht wiederherzustellen – dreier kraftvoller Instrumente: Der Akupunktur (und ihrer Ableger), der Ernährung (ein sehr komplexes System der Wirkweise verschiedener Nahrungsmittel und ihrer Zubereitung) und der Kräuterheilkunde. Ich habe Stunden in chinesischen „Apotheken“ auf aller Welt verbracht – mit großen Augen, riechend, fühlend, schmeckend – ein phänomenaler Schatz !

Die TCM beachtet jedoch auch sehr, sehr nachdrücklich die klimatischen Bedingungen, in denen wir leben. Eine Ingwerwurzel, die am Fuße des Himalaya gewachsen ist, mag einem Inselbewohner in südlichen Gefilden wenig nutzen. Oder eine Zistrose aus dem Mittelmeer – sie trägt so viel Sonne, Wind und Trockenheit in ihrem „Programm“ , daß sie für einen Mitteleuropäer einfach zu viel Yang ins Spiel bringt.

Aus diesem Grunde arbeite ich für uns, hier und jetzt, mit den Heilpflanzen, die hier, mit uns, leben und gedeihen.

Resonanz

Wenn das Bild also vollständig und klar ist, das ein mit Störungen behaftetes System Dir zeigt, dann gilt es also,

  1. Die Energiebarriere zu überwinden, die die Störung aufrecht erhält
  2. Das System genau da „anzustupsen“, wo der größte „Knoten“ ist

Alles in unserer Welt ist dem Prinzip der Resonanz ausgesetzt.
Alles ist mit allem verbunden – wir schwingen wie in einem riesigen Netz mit all den Geschehnissen, Empfindungen, Gedanken, die sich hier und jetzt ereignen.
Störungen, und Krankheiten, entstehen, wenn es uns nicht gelingt, mitzuschwingen. Es ist, als „verhake“ sich unser System. Es entsteht ein Widerstand, eine Reibung zwischen unserem eigenen System und dem System, in das wir eingebunden sind. Das kostet Kraft und kann unseren Körper/Geist/Seele beschädigen und in seiner Funktion mindern.

Wollen wir uns wieder in Einklang, in ein natürliches, gesundes Fließgleichgewicht in uns selbst und mit unserem Umfeld bringen, muß es gelingen, uns selbst in Resonanz zu bringen. Nicht zwingend an dem Punkt, an dem es „verhakt“ ist und an dem Symptome erscheinen.

Und hier kommen die Pflanzen ins Spiel. Die Pflanzen sind im Vergleich zu Mineralien, Tieren und Menschen um ein vielfaches durchlässiger und am wenigsten von den höher organisierten Körpern an die Materie gebunden. Sie sind die einzigen Wesen auf unserem Planeten, die aus Licht Materie erzeugen können.
So sind sie besonders geeignet, Barrieren zu durchdringen und Resonanz aus dem Feld zu übermitteln. Diese Eigenschaft machen wir uns seit Menschengedenken zunutze.

Bei der Herstellung unserer Reindestillate sammeln wir die Heilpflanzen, die vollständig maschinenfrei und ohne Zufügungen fremder Stoffe aufgewachsen sind, von Hand. Dabei sind alle Erntenden in einer Verfassung expliziter Bewußtheit und Meditation – zugänglich für die Kraft und Eigenart der Pflanze, die sie ernten. Bereits hier entsteht eine hohe Resonanz zwischen menschlichem und pflanzlichem Feld. Wenn wir die Pflanzen dann – unmittelbar nach der Ernte – auf offenem Feuer destillieren, führen wir ihnen die Qualitäten von Wasser und Feuer zu – beides energetische Formen, die reinigen, in Gang und in Fluß bringen.

Magie in Flaschen

Die unterschiedlichen Pflanzenarten haben ebenfalls ganz eigene Energiemuster. Salbei etwa, definiert Struktur und stabilisiert sie, während die Schafgarbe diese Strukturen verfeinert und eher in Richtung Dematerialisierung bringt. Kamille wärmt auf eine satte, erdige Art während die Ringelblume ihre Wärme zusammen mit einer Auf- und Ausrichtung spendet. Diese Energiemuster zu erkennen und die „Passung“ für die Energiemuster des erkrankten oder geschwächten Menschen zu finden, ist Inhalt des Therapiekurses zu den Fünf Elementen.

Es freut mich von Herzen, daß meine ersten, vorsichtigen Versuche mit unseren traditionellen Heilkräutern im TCM-Energiekreis so fruchten und uns ein wirklich gutes Spektrum an die Hand geben, Resonanz zu übermitteln.

Ich lade Dich herzlich ein. Im Oktober zu der zusätzlichen Seminarreihe zu kommen.