Pflanzenalchemie

Gleichgewicht finden

Es gibt zwei grundlegende Lebensgesetze, die wohl jeder Mensch, gleich welcher Geisteshaltung, anerkennen kann: Die Resonanz und die Vergänglichkeit. Während die Resonanz uns spiegelt, wie wir in die Welt hineinwirken, und dass nichts sich aus sich selbst erschafft, lehrt die Vergänglichkeit uns, dass „der richtige Zustand“ immer ist – oder nie.
Und selbst wenn wir ganz bewusst das Phänomen der Spiegelung, des Lebens-Echos erforschen und längst begonnen haben, die Ereignisse in Verbindung mit uns selbst zu begreifen, so ist das lebendige Gewebe der Welt doch so komplex, dass viele Zusammenhänge sich unserem begrenzten Blick entziehen. Doch können wir erahnen, manchmal sogar ganz konkret erkennen, dass unser Erleben im Außen in engem Zusammenhang mit unserem Erleben im Innen steht.
So frage ich mich, weshalb wir diese Grundwahrheiten von Resonanz und Vergänglichkeit nicht auch ganz einbeziehen in die Fürsorge für unsere Gesundheit.

Ein stabiles Fließgleichgewicht

In der ganzheitlichen Medizin werden diese Grundsätze dahingehend berücksichtigt, dass „Gesundheit“ als ein fließender Gleichgewichtszustand gesehen wird. Und „Krankheit“ – ganz gleich auf welcher Ebene – zeigt sich eben in einem Ungleichgewicht: Ein oder mehrere Aspekte des Ganzen sind zu schwach oder zu stark ausgeprägt, so dass nicht nur das Wohlbefinden (Harmonie) sondern auch die Funktion (Fähigkeit, einen lebendigen Zyklus zu erhalten) sich nicht mehr finden lassen.
Während die materialistische Medizin Zustände solchen Unwohlseins und solcher Dysfunktion über Eingriffe beantwortet, die das Zuwenig auffüllen oder das Zuviel entfernen, betrachten ganzheitliche Heiler den ganzen Menschen und sein Feld, bevor sie – wenn überhaupt – eingreifen.
Ich erinnere mich an eine Diskussion mit meinem Hausarzt, der mir einen massiv gestiegenen Cholesterinspiegel attestierte und mir eindringlich riet, diese Dysfunktion mit Medikamenten zu regulieren. Diese Medikamente hätte ich dauerhaft nehmen sollen.
Ein einziger Blutwert, eine einzige Stellgröße in einem hochkomplexen System hätte mich zum Tablettenjunkie gemacht. Nebenbei hätte die Einbringung fremder Stoffe mein gesamtes hormonelles und enzymatisches Gefüge dauerhaft verändert. Meine Leber hätte sich dauerhaft in einem „Notprogramm“ befunden, dies wiederum hätte Effekte auf andere Stoffkreisläufe gehabt
Ich machte meinen Arzt darauf aufmerksam, dass meine Lebensumstände sich sehr verändert hätten und ich mich außerdem in einer anderen Lebensphase befand als die Jahre zuvor, mit denen er meine Werte verglich. Ich versuchte ihm zu verdeutlichen, dass die Veränderung dieses einen Wertes ein gesunder Anpassungsvorgang sein könnte an viele weitere Veränderungen in vielen weiteren Bereichen meines Körpers.
So einigten wir uns darauf, dass ich eine eingehende Untersuchung meiner Gefäße (Hauptrisiko bei hohem Cholesterin) beim Kardiologen absolvieren sollte und wenn hier keine Veränderungen feststellbar seien, wir auf die Weisheit meines Körpers vertrauen würden. Der Kardiologe gab meinen Gefäßen eine Eins mit Sternchen und so war es nur noch an mir, meinem Körper zu lauschen, möglichen Zeichen von Stress oder Fehlernährung zu folgen und das Gleichgewicht in meinem Sein besonders aufmerksam zu beobachten.

Beobachten und Führen

Dieses Beobachten des eigenen Körpers (und natürlich auch unseres emotionalen Befindens sowie der geistigen Fähigkeiten) scheint vielen Menschen schwer zu fallen. Deswegen finde ich es toll, dass auch in den Hobby-Yogaklassen die Sarvhasana eigentlich immer praktiziert wird und Menschen so lernen, ihren Körper – ganz langsam, ganz sorgfältig, ganz liebevoll – von der Zehenspitze bis zum Scheitel durchspüren. Auf diese Weise lernen wir, die unharmonischen Vorgänge in uns aufzuspüren, rechtzeitig und viel komplexer, als einfach nur die Quantität eines spezifischen Botenstoffes zu messen.

Wenn hier auf Aditi in meinen Kursen Menschen die Eigenart der Pflanzen studieren oder gar eine Pflanze für die individuelle Begleitung finden wollen, dann lehre ich sie, sich zu kalibrieren. (ein kleines Podcast hierzu findet sich im Blog meiner Website hier). Das bedeutet, dass wir uns – Körper, Geist und Seele – ganz bewusst in einen „neutralen Zustand“ bringen, indem wir in der Art der oben beschriebenen Sarvhasana von den Zehenspitzen bis zum Scheitel durch unseren Körper tasten und auf diese Weise Verdichtungen, Schwächungen, Unruhen in bestimmten Bereichen orten – und auflösen können. Es ist tatsächlich so, dass, wenn wir in einen Körperbereich spüren, an dem etwas nicht im Gleichgewicht ist, durch schlichtes Verweilen und ruhiges, konzentriertes Beobachten der Disharmonie in der Lage sind, die Störung aufzuheben. Zu neutralisieren.

Erst dieser „neutrale Zustand“ befähigt uns, wirklich wahrzunehmen und unser Umfeld ohne die Stör-Resonanzen mit unserem eigenen, inneren Ungleichgewicht zu erfassen.
Wenn ich von Selbstfürsorge spreche, dann meine ich genau das. Es sind nicht Dinge oder Dienstleistungen von außen, die unser Gleichgewicht wiederherstellen, sondern es ist die eigenverantwortliche, konzentrierte Fürsorge für unser inneres Gleichgewicht, die uns gesund hält.
Natürlich kann – in dieser Haltung – dann auch Heilsames von außen uns erreichen. Aber eben erst dann – weil wir erst dann überhaupt aufnahmebereit sind, ohne sofort zu projizieren, und weil wir ganz differenziert wissen, was wir brauchen.

Der Fluss des Lebens

Alles Lebendige verändert sich. Ständig, stetig, fließend. Die großen Brüche und plötzlichen Veränderungen kommen nur dann zustande, wenn die natürliche, sanfte Verwandlung allzu lange zurückgehalten und verhindert wird.
Und so versteht es sich von selbst, dass ein bestimmter Zustand, ein bestimmtes Mittel, eine bestimmte Handlung nicht „auf immer und ewig“ hilfreich und gesund sind. Vielmehr besteht die Kunst darin, diese ständige Verwandlung des Lebens mitzuvollziehen, die einmal liebgewonnenen Dinge immer wieder freizulassen und neu zu wählen.

Doch wie wählen wir? Und vor allem: Was wählen wir?
Es ist wie russisches Roulette, aus dem Impuls heraus zu wählen: Es kann klappen oder genau nicht. Die viel gepriesene Intuition wird oft verwechselt mit einem unvorbereiteten Impuls, mit einer Laune und einem opportunistischen Zufallsspiel.
Aus der Intuition treffsicher zu handeln, setzt diese Kalibrierung voraus, die wir mit der Entladung eines Magneten vergleichen können. Entladen wir den Magneten unseres Körpers und unserer Verfasstheit nicht, bevor wir wählen, ziehen wir immer wieder dasselbe an – und verstärken so mitunter Unerwünschtes. Gerade wenn es um Heilung geht, gerade, wenn es um die Wiedererlangung eines gesunden Gleichgewichtes geht, ist die absichtsvolle Wahl manchmal lebenswichtig.

Wenn ich mit meinen Besuchern in die Heilkräutergärten gehe nachdem wir uns alle kalibriert haben, dann setzen wir uns oft in Stille vor die Pflanze, die uns gerade interessiert und tun nichts anderes, als sie zu beschreiben.
Wir errichten eine künstliche Grenze zwischen Ich und Gegenüber, vermeiden Interpretationen und Assoziationen um dieses Gegenüber, dieses Pflanzenwesen so klar und unverfälscht wahrzunehmen, wie es eben möglich ist. Am leichtesten gelingt dies über die sinnliche Beschreibung: Gestalt, Farbe, Duft, Konsistenz und so weiter. Wenn wir etwas tiefer blicken erschließt sich auch die Energetik der Heilpflanze.
Und erst in einem zweiten Schritt betrachten wir nicht mehr das Gegenüber, sondern die Beziehung zum Gegenüber. In unserem fein kalibrierten Körper können wir die Veränderungen beobachten, die durch die Präsenz der Pflanze und die Verbindung sich zeigt. Hier fließen die Informationen, die wir brauchen, um zu wählen, was uns guttut und näher in einen kraftvollen, beweglichen und durchlässigen Zustand führt.
Eigentlich auch eine interessante Definition für „Gesundheit“, nicht?
Probiere es gerne aus!
Und wer einmal nachsehen will, wie das alles nach den Regeln der TCM funktioniert, kann hier den kleinen Test „Welches Kraut passt zu Dir“ machen.
Teile deine Erfahrungen, denn wir lernen das ja alle gerade und der Austausch unserer Erfahrungen ist das kostbarste Geschenk, das wir uns geben können.

Schreiben Sie einen Kommentar