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Alchemie – Das reine Wesen der Dinge

Alchemie

Alchemie und Spagyrik – was ist das eigentlich ? Und was hat Wild Natural Spirit damit zu tun ?
… ich habe mich auf den Weg gemacht, um das herauszufinden: Die Ernte war fast eingebracht, gerade war die Welt durchs „Löwentor“ gegangen (8.8.2020), Mond und Mars standen in Konjunktion, als ich zu meinem Freund Rainer an den Chiemsee fuhr, um endlich gemeinsam Aditis Wermut (artemisia absinthum) alchemistisch auszuarbeiten.
Mein ganzes Auto duftete nach dieser magischen Pflanze, ihr bitter-würziges Aroma und ihre enorme Präsenz saßen mir in jeder Zelle. Ich hatte ihn in seiner ganzen transformierenden Kraft zu Vollmond geschnitten, so wie es die Kunst gebietet, und nun war es an der Zeit, ihn auszuarbeiten.
Bald brannten vier Feuer, die Glaskolben standen bereit, Schmelztiegel, Filter, Helme, gereinigter Alkohol…
Einen vollen alchemistischen Zyklus mit Rainer auszuarbeiten, war schon lange ein großer Wunsch von mir gewesen – in die Tiefe der Elemente abzutauchen, das Augenscheinliche zu zerlegen in seine Grundprinzipien, zu reinigen – und nach langer Arbeit neu zu vereinen als die gereinigte Essenz, das „pure Ganze“.

Zwischenprodukte
Alchemie und Spagyrik
Zwischenprodukte
Alchemie und Spagyrik

Ich sah die heilige Pflanze in den Glaskolben – auf dem einen rannen die Kondensationsstreifen schlangenförmig, wie es der Alkohol macht, in dem anderen teilte sich der Wassernebel in immer feinere Tröpfchen. Das leise „pling pling“ der aus dem Helm tropfenden Destillate begleitete uns mit dem Knistern des Feuers durch mehr als 12 Stunden. Bei der Verwendung des natürlich entstandenen Alkohols für den Auszug sprechen die Alchemisten davon, „der Schlange den Kopf und den Schwanz abzuschlagen“, das heißt, die erste und die dritte Fraktion zu verwerfen um den giftigen Methylalkohol in der ersten Fraktion und die Fuselöle in der dritten Fraktion abzusondern.
Überhaupt ist der ganze Vorgang eine Flut intensiver sinnlicher und feinstofflicher Eindrücke, jeder Handgriff, jede Farberscheinung trägt einen bildreichen Aphorismus, der sehr gut umschreibt, was hier im Tiegel – aber auch im Alchemisten selbst – geschieht.

Die Reinigung der Erde, etwa: Nach langem Glühen und Rühren gewinnen wir die fast weiße Rohasche aus ca 800g Pflanzenmaterial und solvieren sie in destilliertem Wasser diese Mischung wird erneut erwärmt. Dann entnehmen wir den festen Sulfur aus dem Kolben der alkoholischen Destillation und verdampfen die verbliebene Flüssigkeit. Die Lösung wird abfiltriert das was an Festem im Filter verbleibt ist das caput mortuum.
Oder der fixe Sulfur, der durch den Vulkan geht: Der fixe Sulfur aus der Destillation des alkoholischen Auszugs wird abgedampft. Er wird durch den Vulkan gehen und stellt dann das Feuerelement dar.

Den ganzen restlichen Tag und die Nacht saßen wir an den Feuern, destillierten den Wermut in gereinigtem Wasser und in gereinigtem Alkohol, filtrierten, veraschten, kalzinierten. Am nächsten Tag, exakt um 12h37, vollzogen wir die chymnische Hochzeit:
Das gewonnene Sal (die veraschten und geschmolzenen Rückstände des Wermuts) steht für den Körper. Ihm wird zuerst der Merkur – der Geist, Shiva, das alkoholische Destillat – beigefügt, dem Körper der Geist eingehaucht. Und dann folgte der Sulfur – die (gereinigte) Seele, Shakti des Wermut, die im Wasserdampfdestillat der Pflanze ausgearbeitet wurde. (Das ist auch die Ebene, auf der Wild Natural Spirit arbeitet).

Wir gewannen eine lichtgelb leuchtende Essenz, deren Duft bereits durchschlägt. Ein Tröpfchen auf der Zunge erzeugt eine regelrechte „Explosion“. Nie habe ich etwas so kraftvolles und reines in Händen gehalten !

Was ist Alchemie

Die Smaragdtafel (Tabula Smaragdina) ist wohl die älteste Aufzeichnung alchemistischer Praktiken. Sie wird dem ägyptischen Hermes Trismegistos zugeschrieben. Hermes Trismegistos galt von der Spätantike bis zur frühen Neuzeit als Verfasser einer Reihe von philosophischen, astrologischen, magischen und alchemistischen Schriften. Die Tabula ist einer der berühmtesten Texte alchemistischer und hermetischer Literatur. In den rund zwölf allegorischen Sätzen spiegelt sich die Vorstellung eines Zusammenhangs von Mikrokosmos und Makrokosmos. Sie bildete die Basis der ersten „wissenschaftlichen“ Arbeiten zur Heilkunst in Europa, etwa die des berühmten Paracelsus oder Agricola.

Kupferstich von Stolzius von Stolzenburg, Theatrum Chymicum anno 1614, Bildquelle Wikimedia
Kupferstich von Stolzius von Stolzenburg, Theatrum Chymicum anno 1614, Bildquelle Wikimedia

Die Trennung zwischen Chemie und Alchemie im 18./19. Jahrhundert markiert einen Wendepunkt im menschlichen Verständnis der Natur: In der Alchemie gehen wir von einer belebten, sich ständig wandelnden Natur aus. Nichts, das lebt und unveränderlich wäre. Das Unveränderliche, das, was sich im alchemistischen Prozess nicht mehr lösen und wandeln lässt, nennen wir „caput mortuum“ – Totenkopf. Es wir aus dem alchemistischen Prozess herausgenommen,

Die moderne Chemie geht von fixen Elementen mit einem festen, atomaren Aufbau aus. Sie analysiert die Wirkung von Stoffen über das quantitative Vorkommen bestimmter Elemente – und betrachtet auch den Körper, auf den eine Substanz wirkt, als fest definiertes Gefüge biochemischer und physikalischer Abläufe. Kopfschmerzen – Aspirin – das ist die einfache Lösung, die gerade in der Inneren Medizin so wenig wirklich löst.
Die bis heute naturwissenschaftlich unerklärte „vis vitalis“ – die Lebenskraft, die einem Gemenge von festen Stoffen Bewusstsein, Empfindungsvermögen, Gestaltungskraft einhaucht, wurde schlicht ausgeklammert.
Die Alchemisten hingegen interessieren sich für genau dieses Phänomen. Neben der Signaturenlehre, der Transmutation und der Nutzung kosmischer Einflüsse ist die Alchemie ein komplexes Handwerk, eine anspruchsvolle Wissenschaft. Es geht darum, das Ursprüngliche, Lebendige zu reinigen vom Leblosen – dem Caput mortuum – , das sich nicht mehr wandelt und somit leb- und wertlos ist.
Das in vielen Destillations-, Veraschungs- und Schmelzvorgängen gewonnene „reine Lebendige“ jedoch wird dann – nach Ausscheidung des caput mortuum“  in der sogenannten „Chymnischen Hochzeit wieder vereint.

„Visita Interiora Terrae Rectificando Invenies Occultum Lapidem”
„Untersuche die inneren Bereiche der Erde. Durch Reinigen wirst Du den verborgenen Stein finden“

Was macht Alchemie

Die Alchemie ist die hohe Kunst der Heiler und Wissenschaftler zwischen dem 1. Jahrhundert und etwa dem 18. Jahrhundert, in dem langsam die neuzeitliche Naturwissenschaft oberhand bekam mit ihrem mechanistisch-kausalistischen Ansatz. Mittlerweile ist ihr Einfluß so weit gewachsen, daß die alten Heilwege nicht nur weitgehend als wirkungsloses Blendwerk diskreditiert sind, sondern daß kein anderer als ein etablierter Naturwissenschaftler, bezeugt von pharmazeutischen Institutionen,  behaupten darf, ein Heilmittel zu kennen oder zu haben.
In unserer Zeit kennen wir letzte Reste der Alchemistischen Kunst unter dem Begriff „Spagyrik“. Drei, vier Unternehmen weltweit widmen sich dieser Kunst und wagen immerhin die Aussage:

Spagyrische Essenzen wirken ganzheitlich und regen Psyche und Körper an, wieder ins Lot zu kommen und sich so selber zu heilen. Sie können vorbeugend zur Gesundheitserhaltung sowie zur Therapie von akuten und chronischen Beschwerden bei Menschen wie auch bei Tieren eingesetzt werden.“
Zitat von der Website der Heidak AG in der Schweiz

Feuer hüten die ganze Nacht
Alchemie und Spagyrik
Feuer hüten die ganze Nacht
Alchemie und Spagyrik

Ich kann ja bereits bei der Herstellung der Wild Natural Spirit Essenzen beobachten und erfahren, wie nicht nur die sorgfältige technische Handhabung, sondern auch das „Beseelen“ der verarbeiteten Pflanzen zu einer erstaunlichen Erhöhung der Wirkkräfte führt. Und hier arbeiten wir „nur“ mit der Seele der Pflanze.
Durch den kompletten alchemistischen Prozess zu gehen – auch den fixen Sulfur (Rückstand im Destillationskessel) zu gewinnen, die Pflanze ganz zu veraschen und hinzuzufügen verstärkt Resonanz und Verfeinerung des gesamten Ergebnisses.

Und nicht nur in der „Flasche“, die wir letztlich befüllen mit spagyrischer Tinktur (alkoholisches Destillat), spagyrischer Essenz (Wasserdampf-Destillat) und der verglühten Asche des Wermut, halten wir ein hoch schwingendes „Instrument“, eine Verwandlung des ursprünglichen Wermuts, der nur noch aus den gereinigten Grundprinzipien in der für ihn eigenen Zusammensetzung besteht.

Auch mit uns selbst hat sich eine Transmutation vollzogen, das Feuer der Nacht, die Dämpfe aus dem Kolben, die Konzentration auf den Vorgang der Reinigung und die Kraft des Lebendigen hat uns Adepten selbst verwandelt.

Ausblick

Alchemie und Spagyrik: so ist das also !
Ich bin sehr dankbar, mit Rainers erfahrener Begleitung diesem Vorgang einmal ganz beigewohnt zu haben. Und ich hüte unser „Werk“ mit Argusaugen und tiefem Respekt. Wir haben besprochen, daß wir 20 mal 5 ml der spagyrischen Essenz frei geben. Wenn Du eines der kostbaren Fläschchen erhalten möchtest, schreibe mit bitte.

Wird diese Erfahrung Auswirkungen auf unsere Arbeit für Wild Natural Spirit haben ?
Bis dato bin ich bereits sehr zufrieden mit den Ergebnissen, die wir aus der reinen Wasserdestillation unserer Heilkräuter erzielen. Die Produktbewertungen quellen über von erstaunlichen und erfreulichen Rückmeldungen zur Qualität der Spirits.

Evelin und Rainer bei der chymnischen Hochzeit
Alchemie und Spagyrik
Evelin und Rainer bei der chymnischen Hochzeit
Alchemie und Spagyrik

Die alchemistischen Prinzipien basieren ja ebenso wie die von mir seit 30 Jahren genutzte TCM (Traditionelle Chinesische Medizin) auf der Elementenlehre. Überhaupt gibt es viele Übereinstimmungen der beiden Ansätze aus so unterschiedlichen Kulturen wie dem alten Ägypten und dem Alten China.
Doch weiter lernen will ich sicher !

Jetzt ist allerdings erst einmal geboten, daß wir lernen, mit der großen neuen Kupferdestille umzugehen – eine Alambique diesmal, die uns eine noch langsamere und differenziertere Aufschließung unserer Kräuter ermöglicht.
Im Oktober dann gibt es erst einmal TCM in der Tiefe mit den drei Seminaren zu Diagnostik, Therapie und Ernährung nach den Fünf Elemnten.
und … wer weiß … vielleicht gibt es in 2021 ja ein Seminar mit Rainer zu den Grundlagen der Alchemie.


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Praxiswoche im Paradies

Destillation

Destillation von Heilkräuer-Essenzen

Das Geheimnis von Aditi ist die Wildheit, die Stille.
Daher gibt es nicht viele Gelegenheiten, auf den Berg zu kommen, auf dem die Wild Natural Spirits wachsen. Eine dieser Möglichkeiten sind die Praxiswochen. Eben ging der Destillationskurs zu Ende – und er war an Menschen, Fähigkeiten, Dichte und Austausch so reich, daß ich ein wenig von unseren Erlebnissen teilen möchte.

Der Garten – das Kronjuwel

Bei der letzten Seminargruppe war geballtes Expert*innen-Wissen versammelt: Eine Wala-Mitarbeiterin, zwei phytologische Laboranalytikerinnen, ein Hobby-Destillateur usw. Wir waren zu zehnt, als wir gleich nach der Ankunft eine ausführliche Gartenbesichtigung machten.
Mitte August ist bei unserem Heilkräutern schon ein gutes Stück der Ernte geschafft – doch Sonnenhut und Ysop, Königskerzen und die zweite Salbeiblüte vermochten die neugierigen Besucher*innen dennoch zu verzaubern. Hier konnte ich gut vermitteln, daß die Unversehrtheit unserer Pflanzen das A und O der Heilkraft, Wirksamkeit und Bekömmlichkeit unserer Destillate ist. Keine tierischen Stoffe, keine Maschinen, kein Dünger, der nicht auf unserer Wiese gewachsen ist, beeinträchtigt die Strahlkraft unserer Heilkräuter. Und das konnten die Teilnehmenden mit allen Sinnen aufnehmen. Die „große Runde“ über ganz Aditi – mittlerweile stolze 37.000 Quadratmeter – führte zudem vorbei an den Kraft- und Meditationsplätzen, an den wilden Bereichen und Obstpflanzungen.

Die natürliche und die durch Einfühlung sichtbar gemachte Struktur der Pflanzengemeinschaften, ihr Zusammenwirken mit den Elementen und den Tierreichen wurde greifbar und erfahrbar. Und ein ganz klein wenig konnte ich bei der Erläuterung der Beetanordnungen im Sinne der Fünf Elementenlehre schon auf das Oktober-Seminar vorgreifen. Doch es ist von so großer Relevanz für die Wirkung der Heilkräuter, daß sie in ihrer natürlichen Ordnung gedeihen und nicht von Maschinen, Effizienzdenken und synthetischen Stoffen belastet sind. Das sie wahrgenommen werden als höchst fragile und zugleich atemberaubend machtvolle Begleiter für uns Menschen.
Der Anfang war gemacht.

Das Ernten – Sich von der Pflanze führen lassen

Am ersten „Arbeitstag“ des Seminars stand die Ernte der Wasserminze an. Nachdem ich die Bedeutung des Heilkrauts in der Druidenkultur der Kelten erklärt hatte und der intensiv frisch-erdige Duft uns alle umhüllt hatte, bat ich die Teilnehmenden, ihre Körbe mit Laken auszulegen, das Arbeitsgerät zur Seite zu nehmen und sich um das Wasserminzenfeld zu versammeln. Die Wasserminze wurde nach der Sage von den Druiden zur Förderung der Hellsicht und zugleich zur innigen Verwurzelung mit Mutter Erde verwendet. Somit sind im menschlichen System sowohl das Wurzelchakra als auch das Dritte Auge und Kronchakra angesprochen. In der tantrischen Tradition werden diese menschlichen Energieknoten durch das Tönen der Vokale „O“ und „I“ aktiviert. Und so standen wir minutenlang um das Feld, ummantelt vom intensiven Duft der Wasserminze und tönten, bis die Pflanzendeva uns ganz durchdrungen hatte. Für manche/n war das neu – doch es funktionierte, und wenig später knieten alle inmitten der Pflanzen und schnitten in ruhigem Rhythmus Stängel für Stängel. In Stille wurden die Körbe abgedeckt, zur Darre gebracht und für die Destillation vorbereitet.

Dieser Erntevorgang wiederholte sich in den folgenden Tagen Noch mehrmals: Die Teilnehmenden durften Sonnenhut und Wermut ernten – und ganz zum Schluß „ihre Pflanze“ ernten und für den Eigengebrauch destillieren. Bis zu diesem Punkt war angekommen, daß wir ganz unmittelbar mit den Pflanzen kommunizieren – erkennen können, wo und wie geerntet werden kann, wahrnehmen können, wo die Wirkkraft der Pflanze ansetzt – und was sie bewegt – bis hin zur Lektion des Abschlußtages, an dem die Teilnehmenden nicht eine Pflanze mit dem Kopf gewählt haben, sondern die Pflanze „riefen“, die für sie jetzt die richtige Begleiterin war – und sie auf diese Weise – spürend, lauschend, geführt – auch fanden.

Die Destillation – Die Kunst, die Seele der Pflanze zu gewinnen

Die Destillation ist der ganz ursprüngliche Vorgang, mit dem die Weisen der Vorzeit die Essenz eines Heilmittels gewannen.
Bei der Destillation wird in einem geschlossenen System Wasser verdampft und durch das Heilmittel hindurch geführt. Auf diese Weise lösen sich erst die flüchtigen, dann die schwerer löslichen Teile des Pflanzenkörpers von seinem grobstofflichen Teil. Diese „Essenz“ kondensiert im weiteren Verlauf und wird als „gereinigte Seele“ im Destillat aufgefangen. Doch keineswegs handelt es sich bei dem Destillat um ein rein feinstoffliches Mittel, wie etwa bei den homöopathischen Substanzen. Das Reindestillat enthält eine Vielzahl kostbarer, pflanzlicher Inhaltstoffe – wie etwa die ätherischen Öle, wasserdampfflüchtige lipophile Bestandteile wasserlösliche flüchtige Inhaltsstoffe der Pflanzen, sowie Artefakte (wie z.B. Chamazulen).

Auf dem Markt gibt es so gut wie keine Reindestillate – die angebotenen Hydrolate sind in der Regel Abfallprodukte aus der Gewinnung ätherischer Öle und somit eines Großteils ihrer Wirkstoffe beraubt. Daher war es für die Teilnehmenden ein Genuß, die eben geernteten Heilkräuter in unseren großen Kupferdestillen zu sehen, den aufsteigenden Duft, das Rauschen des offenen Feuers und schon bald den Klang des stetig tropfenden Destillats im Glaszylinder zu erleben.

Hier auf Aditi ist auch dieser „technische“ Vorgang ein Ritual.
Wir arbeiten weiterhin in Stille, die mächtigen Kupferdestillen sind weit mehr als bloßes Werkzeug, der Umgang mit den Elementen und das Hervortreten der Pflanzenseele ein immer wieder großartiges Ereignis. Alle Seminarmitglieder konnten diesen Zauber, dieses Wunder mitverfolgen und in sich aufnehmen. Das war mir wichtig.

Die Alchemie – Probe aufs Exempel

Am dritten Tag befassten wir uns intensiv mit der Qualität von Hydrolaten, ätherischen Ölen und Rohpflanzen. In der Alchemie – der ich übrigens ein paar Tage zuvor ausgiebig gefrönt hatte und zu der ich noch berichten werde – geht es darum, den „Stein der Weisen“, die pure Essenz zu gewinnen, indem der natürliche Stoff in seine vier Prinzipien zerlegt, als Fragment gereinigt und dann in der chymnischen Hochzeit aus den reinsten Einzelteilen neu vereint wird.

So weit gehen wir auf Aditi nicht. Die Reinheit wächst hier auf den Permakulturfeldern langsam, das ganze Jahr hinein, gehegt mit höchster Achtsamkeit und Hinwendung. Die Unversehrtheit der verwendeten Pflanzen ist unser Anker, die Ursache für die hohe Schwingung unserer Destillate.
Und hierauf machten wir wieder einmal in der großen Praxisgruppe die Probe aufs Exempel:
Wie immer zu diesem Seminar, hatte ich einige Rohdrogen und Hydrolate anderer Bio-Hersteller besorgt, mit denen wir die Spirits verglichen. Dabei leitete  ich die Gruppe an, den eigenen Körper als Meßinstrument einzusetzen und die Wirkung der jeweiligen Probe über die in der TCM (Traditionelle Chinesische Medizin) relevanten Qualitäten zu prüfen. Vom „Kalibrieren des Körpers“ über das Ansetzen der Probe bis hin zur Beschreibung der wahrgenommenen Qualitäten nahmen wir uns sehr viel Zeit.

Am Schluß trugen wir die einzelnen Ergebnisse Pflanze für Pflanze, Präparat zusammen und staunten: Die Wahrnehmungen waren sehr weitgehend übereinstimmend – von der erzeugten Dichte und Festigkeit des Aditi-Salbeis im Vergleich zu Fremdprodukten bis hin zum Verlust der Wirk-Bandbreite beim ätherischen Öl, dem die Wasserphase der Pflanze fehlte.
Die Wahrnehmung zu schulen und eine feine Abstimmung zwischen Körper und Pflanze vornehmen zu können, ist die eigentliche „Kunst“, die jede/r Anwender/in von Heilpflanzen und ihren Präparaten für sich entwickeln sollte. Die reine Symptombetrachtung und das Abstellen auf die physikalisch-chemische Zusammensetzung reichen nicht aus, um heilvolle Felder zu erkennen und miteinander zu vereinen.

Ausgestattet mit diesen Erfahrungen und Kenntnissen war es den Seminarteilnehmenden ein Leichtes, am vierten Tag „ihre“ Pflanze zu finden. Nicht kognitiv, nicht über Analyse und Projektion; sondern über den Ruf aus dem Inneren, der mit der Frage ausgesandt wurde „Wer ist jetzt da für mich ? Wer hat die Antwort, die mich nun rund macht ?“. Lauschend, spürend, vertrauend schwärmten sie aus, bewegten sich sanft über ganz Aditi und kamen später mit leuchtenden Augen und einer kleinen Ernte ihrer persönlichen Begleiterin wieder. In freudiger Erwartung und liebevoller Gemeinschaft wurde so Pflanze für Pflanze in den kleinen Destillen aufgeschlossen, einem jeden, einer jeden ihre Seelenpflanze.

Ich bin voll der Dankbarkeit für so fruchtbaren Boden, für Menschen, die sich mit mir aufmachen, der Natur zu vertrauen, ihre Sprache zu lernen und ihr mit der gleichen Liebe entgegenzutreten, mit der sie uns jeden Tag neu begegnet.

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Phytotherapie verstehen

Hast Du schon einmal in unserer ausführlichen Bibliothek zu Permakultur, Destillation, Heilpflanzen, Naturkosmetik und ätherischen Ölen gestöbert ?
Dort findest Du Wissen in der Tiefe über Pflanzen als Heilerinnen und Begleiterinnen, über unsere Art, maschinenfreie Landwirtschaft in Permakultur zu betreiben und kostbare Destillate vor Ort herzustellen.

Damit die Fülle an Praxiswissen übersichtlich bleibt und Dich in deiner Freude an unserer Naturkosmetik und den Reindestillaten unterstützt, haben wir den Blog nun strukturiert:
Wenn Du über den Menüpunkt https://wild-natural-spirit.org/blog/ auf den Blog kommst, kannst Du in der Seitenleiste wählen, zu welchem Thema Du mehr erfahren möchtest:

  • #Destillation – hier erfährst Du ein wenig über Technik und alchemistischen Vorgang der Destillation
  • #Heilpflanzen – hier findest Du auch die Pflanzenprofile, in denen ich beschreibe, welche Eigenschaften die von uns verwendeten Pflanzen haben, wie wir sie angebaut haben und wie Du sie verwenden kannst
  • #Hydrolate und #ätherische Öle – hier erfährst Du zum Unterschied zwischen Wild Natural Spirit-Reindestillaten und handelsüblichen Hydrolaten und ätherischen Ölen
  • #Naturkosmetik – ist unser Abschnitt zu Beschaffenheit, Wirkweise und Anwendung unserer absolut zusatzfreien Naturkosmetik
  • #Permakultur – und hier etwas Anregung zur Gestaltung deines eigenen Permakulturgartens und zu Grundprinzipien, die Du in der Praxiswoche erfahren und vertiefen kannst

Viel Freude beim Stöbern und Lernen !

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Lernen auf Aditi

Praxiswoche Destillation

Die Praxiswochen

Bald ist es so weit und wir geben im Rahmen der Praxiswochen zu Permakultur und Destillation wieder Gelegenheit, auf unserer biozertifizierten Kräutertei mit uns zu lernen und zu genießen.

Wenn hier auf unserem “Berg Aditi” die Reneclauden-Bäume in weißer Blütenpracht erstrahlen, Fliederduft die Luft tränkt und die Bienen längst erwacht sind, beginnen unsere Praxiswochen Permakultur.

In diesem Jahr sind es schon zwei Termine, die wir anbieten, um Dir zu ermöglichen, im Tun und Spüren zu erfahren, was Permakultur ist. Unser ganzer Betrieb ist nach diesem Kreislaufprinzip aufgebaut, in dem es um die Stärkung und Erhaltung der vorhandenen Gemeinschaften und Kräfte geht: Mischkulturen, erhaltende Bodenbearbeitung – natürlich maschinenfrei – Integration von Insekten, Mikoorganismen und nicht kultivierten Pflanzen. Am Vorabend besprechen – nach dem gemeinsamen Abendessen und vielleicht am Lagerfeuer – wir theoretische Grundprinzipien – etwa, was Gartenzonen und Gestaltungsmuster sind, wie Swales funktionieren und warum Flächenkompostierung Sinn macht. Am Morgen dann nimmt jeder sich Arbeitsgerät, geht in einen bestimmten Bereich unseres 35.000 Quadratmeter großen Naturgrundstücks zu einer der Anpflanzungen und beginnt mit der gärtnerischen Arbeit.
Wir werden viel draußen sein, lauschen, genießen – aber auch ordentlich körperlich arbeiten.
So trägst Du nicht nur ganz konkret zum Werden dieses zauberhaften Heil- und Lernorts bei, sondern nimmst Wissen und Erfahrung zu Artenvielfalt, naturliebender Bewirtschaftung und ökologischen Kreisläufen mit, die Dir helfen, vielleicht dein eigenes Projekt aufzubauen.

Im Juni und August folgen dann die Praxiswochen Destillation:
Da wir unsere Kräuter ja selbst destillieren und hieraus kostbare Naturkosmetik und bewährte Hausmittel herstellen, kannst Du bei uns auch zu Destillation und Kräuteraufbereitung lernen:
In den beiden “Praxiswochen Destillation” kannst Du mit uns duftenden Salbei und blühende Kamille ernten und zur Veredelung vorbereiten, Du darfst uns über die Schulter sehen bei der Destillation an der großen Kupferdestille und eigene Destillate an der kleinen Lehrdestille herstellen.
Auch hier wechseln sich wieder Theorie und Praxis ab – wichtig ist mir besonders, die Qualität der eingebrachten Pflanzen einschätzen zu lernen und unterscheiden zu können zwischen importiertem und heimischem, maschinell erzeugtem und handgesammeltem Pflanzgut .Hier werden wir deine Sinne schärfen und Dich selbst probieren lassen.
Vielleicht wird aus Dir noch ein waschechter Alchemist ?

Beide Praxiswochen sind von der Teilnehmerzahl sehr begrenzt. Es gibt drei unterschiedliche Formen der Unterbringung, die Du bei der Buchung wählen kannst.
Bis zum 31.01.2020 gibt es einen dicken Frühbucher Rabatt von 10%.

Ich bin sehr gespannt, wer sich in diesem Jahr auf Aditi einfindet und freue mich auf diese lebendigen Wochen !

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Traditionelle Manufaktur

Die Kunst des Destillierens

Erfahrungen aus der Kunst des Destillierens

Das Kräuterjahr neigt sich dem Ende zu – unsere Permakultur-Kräuter haben den zweiten (Hand)Schnitt hinter sich, das Lager ist übervoll mit herrlich duftenden Tees, kostbaren Reindestillaten und wertvoller Naturkosmetik. Noch eine Fraktion Melisse und erstmalig auch der Absinth (Wermut) bleiben zur Destillation – dann kommt nur noch die Pflege der Pflanzen und ihre Vorbereitung auf die kalte Jahreszeit.

Dieses zweite Jahr an der Destille war ein wahres Lehrjahr. Schon Monate bevor wir in der „Praxiswoche Destillation“ all die Feinheiten und Unterschiede bei der Herstellung der Essenzen demonstrierten, begann ich, die zahlreichen Faktoren, die auf die Qualität der Destillate Einfluß haben, zu erkunden.

Durch die Herstellung der kosmetischen Destillate mußten wir eine viel feinere Kontrolle des ätherischen Ölgehalts finden und sehr sorgfältig pH-Wert-Entwicklung, Lichtbrechung, Separation und Düfte während des etwas 5-stündigen Destillationsvorganges herausfinden.

Wir hatten mithilfe einer kleinen 2-Liter-Destille zuvor entdeckt, daß die für die Kosmetik wichtigen wasserlöslichen Inhaltstoffe der Pflanzen eine ganz andere Temperatur- und Druckführung benötigen, als die Reindestillate, bei denen es vorrangig um die aromatisch duftenden, ätherischen Öle geht. Die pflegenden Stoffe, die bei der Wasserdampfdestillation gelöst werden, sind eher hydrophil (wasserliebend) und zumeist weniger flüchtig, als die ätherischen Öle. Die ätherischen Öle sind an sich zu basisch für die direkte Anwendung auf der Haut sind (Säureschutzmantel). Daherbrauchen wir auch für die Kosmetik mehr Blüten- und weniger Blattanteile.

Wäre uns die feine Einstellung dieser beiden Stoffgruppen während des Destillationsvorgangs nicht gelungen, hätten wir – wie die meisten industriellen Hersteller von Naturkosmetik – Stabilisatoren, Lösemittel und Emulgatoren benötigt, um die gewünschten pflegenden Eigenschaften zu erhalten. Doch so sind und bleiben wir PUR.

Schritt für Schritt fanden wir die spezifischen Luftdruck und Wetterbedingungen, Anheiz- und Kühlertemperatur aber auch Füllmengen und Relation der Pflanzenteile Blüte-Blatt-Stengel die für die kosmetische Produktion oder eben eher für die Reindestillat-Produktion am besten waren.

Zu unserer Überraschung wichen – bei gleichen Prozeßbedingungen – die Ergebnisse auch ganz erheblich davon ab, wie groß der Destillationsraum war: Die große 100-Liter-Destille, mit der wir auf Aditi auf offenem Feuer destillieren, brachte weitaus „vollere“, komplexere Destillate hervor, als die kleine Test-Destille.

Das Reifen der Pflanzenkraft

Erfahrungen aus der Kunst des Destillierens

So ergab zum Beispiel die Destillation der Echinacea-Blüten in der kleinen Destille eine süßlich-frisch duftende Essenz, die mit ihrem Aroma zwar bezauberte. Die durchschlagende feinstoffliche Wirkung der tief purpurfarbenen Blüten erzielten wir jedoch nur über die große Destille, in der der Dampf „reifen“ und sich weit ausdehnen muß, bevor er kondensiert und in die braunen Fläschchen rinnt. 19 von 20 befragten Personen, denen das Echinacea-Reindestillat verabreicht wurde, sprachen unmittelbar nach der Einnahme von „Präsenz“, „Klärung“, „Ruhe“, „Zentrierung“.
 Bei den vergleichenden Tests zum Destillat aus der kleinen Destille begeisterten sich die meisten hingegen lediglich in der Diskussion darum, ob es eher ein Kirschen- oder ein Mangoduft ist…

Die große Kupferdestille auf offenem Feuer macht den Unterschied: Sowohl das Edelmetall als Material der Destille als auch die Abwesenheit störender elektromagnetischer Felder (aus elektrischer Beheizung der Destille, wie das bei der Groß-Produktion sonst üblich ist) erlaubt die „Hochzeit“ von Pflanzendeva, Wasser und Feuer.

Auf dem etwa 2 Meter langen Weg vom Kessel in den Destillenhut vereinen sich die wasserlöslichen und flüchtigen Stoffe der Kräuter mit dem Wasserdampf bis zu einer maximalen Sättigung. Und das ist es, was wir für die Wirkkraft und Intensität unserer Spirits brauchen.

Nun kennen wir also den Grund des großen und sehr differenzierten Wirkspektrums unserer Destillate.

Das Geheimnis der Stabilität

Auch das „Geheimnis“ der langen Haltbarkeit unserer ätherischen Hydrolate beschäftigte so Manchen… 
Ist sie nur der Tatsache geschuldet, daß wir das gesamte ätherische Öl im Destillat belassen ? Das ist weltweit einzigartig – und doch: reicht das aus für diese überragende Qualität ?

Was ist dann mit den kosmetischen Destillaten für die Kosmetik, bei denen wir darauf achten (müssen), daß ein bestimmter Anteil an ätherischen Ölen nicht überschritten wird ? 
Warum sind auch sie so lange stabil ohne jedwede Konservierung – anders als alle anderen vergleichbaren Produkte auf dem Markt ?

Um mich hier abzusichern (und auch, um den behördlichen Auflagen gerecht zu werden) schickte ich auch dieses Jahr alle Destillate zur Untersuchung in ein externes Labor.

Ich hatte auch Destillate der letztjährigen Produktion mitgesendet – einfach, um die !“18 Monate Haltbarkeit“ zu dokumentieren. Und wieder haben die ätherischen Destillate sowie auch die Naturkosmetik von Wild Natural Spirit bei der externen Laboranalyse die Note “sehr gut” bekommen. Damit haben wir die Sicherheit, dass unsere Destillate 18 Monate makellos rein sind, obwohl (oder: weil?) sie vollkommen frei von Zusätzen dafür aber überreich an ätherischen Ölen sind.

Was also macht den Unterschied ?

Erfahrungen aus der Kunst des Destillierens

Praxiswoche Destillation

Ich hatte eine Ahnung. Anbau in Permakultur und Handarbeit machen den Unterschied. Und das wollte ich im Rahmen der Praxiswoche Destillation zusammen mit anderen Kräuterexpert/innen überprüfen.

Hier haben wir die Destillate aus Pflanzen unterschiedlicher Herkunft miteinander verglichen und destilliert. Salbei, der auf Aditi in Permakultur gewachsen ist und ohne Maschinen verarbeitet wurde verglichen mit Salbei aus anderen Biobetrieben.

Die Unterschiede im qualitativen Ergebnis sind erheblich. Auch der Vergleich mit gekauften (Bio-)Hydrolaten und den Wild Natural Spirit-Destillaten war überraschend: Alle Beteiligten konnten eindeutige Unterschiede schmecken, riechen und spüren konnten. Und das lag sicher nicht nur daran, daß andere Produzent/innen ihre Destillate in Plastikflaschen verpackten…
Und ein kleines Bonbon für die Laboranalytiker unter euch ist, dass unsere Destillate aus der großen Destille ein Lichtbrechungsindex von 0 haben, was so viel bedeutet, dass sie keinerlei “Unrein” enthalten.

Da freut sich das Alchemisten Herz.

Die Tatsache, daß unsere Pflanzen vom Samen bis zur Ernte keine Maschinen sehen, daß sie in Permakultur gedeihen und vor Ort von Hand in einer Kupferdestille auf offenem Feuer destilliert werden, trägt ganz sicher zu dieser Qualität bei.

Mach den Test selbst !

Die Deva führt – die Deva heilt

Erfahrungen aus der Kunst des Destillierens

Bei all dem dürfen wir nicht übersehen, daß Pflanzen Wesen mit Bewußtsein sind. Daß sie seit Jahrtausenden heilen, schützen und stärken. Wolf-Dieter Storl wie auch andere Autoren sprechen von der „Deva“, der Gottheit in der Pflanze. 
Ich kann aus meiner Arbeit sowohl im Kräutergarten als auch an der Destille oder mit Menschen, die Rat suchen bestätigen: Ich bekomme klar verständliche „Anweisungen“ darüber, wo ich welche Pflanze hinsetzen soll, wie ich sie zu behandeln habe und bei welcher Verfassunng oder bei welchem Menschen sie Resonanz erzeugt.

Für mich erscheint es ganz selbstverständlich, daß der Umgang mit unseren Pflanzen auf Aditi sich meßbar niederschlägt in den Destillaten.

Und so soll es ja auch sein….

Bitte fühle Dich ermutigt, selbst zu lauschen, zu schmecken und zu spüren. Fühle Dich bestärkt in dem Wunsch, Fremdes und Liebloses zu meiden und die Dinge in dein Leben zu wählen, die Achtsamkeit und Reinheit in sich tragen.

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Melissa officinalis -Kraftprotz im Samtmantel

Melisse Bio Kräutertee

Die Melisse und ihr Hydrolat: Kraftprotz im Samtmantel

Den heutigen Beitrag in meiner Reihe zu den Destillate widme ich der viel geliebten Zitronen-Melisse (melissa officinalis).

Wer kennt ihn nicht, den betörend feinen Duft der Melisse – zart, frisch, vielschichtig ?

Doch dieses Kräutlein mit seinen dünnen, stark gefurchten Blättchen und dem zarten Flaum führt manchen auf die falsche Fährte: Die duftende Lamiacee mit ihren unscheinbaren rosanen Blüten wird bis zu 30 Jahre alt. Einer von vielen Hinweisen auf ihre Durchsetzungskraft – weshalb ich sie zusammen mit den Minzen in ein eigenes Biotop mit anderen „invasiven“ Pflanzen gesetzt habe. Mit ihren Rhizomen – und gärtnerischer Bevorzugung – wird sie sich mit Leichtigkeit gegen die Brombeeren und Schlehen durchsetzen, die sie umgeben. Ihre herrlichen, aromatischen Öle – unter anderem Citral, Linalool und Geraniol – werden von kräftigen Säuren begleitet – Zimt- und Rosamrinsäure – und all dies duftet nicht nur herrlich, sondern es gerbt die Gärtnerinnenhände regelrecht.
Dieses unscheinbare Kraut ist ein wahrer Kraftprotz:

Ihre ungeheure Lebenskraft hat sie in diesem Jahr bereits unter Beweis gestellt. Im Mai (erst) bekam ich 5 junge Pflanzen. Über Stecklinge und Absetzer konnte ich bis August ein ganzes Feld (30 x 5 Meter) nachziehen, das uns eine reiche Ernte bescherte.

Was sie also kann, ist Raumnehmen. Durchsetzung. Auf eine sehr ruhige, ja, betörende Art.

Bei der Destillation brachten 8 Kilogramm Melisse gute 10 Liter Hydrolat in 2 Stunden.
Doppelte Ausbeute in der halben Zeit im Vergleich zu anderen Kräutern, die ich destilliere.

AAAAAAAber: Sie erwartet eine sehr sorgsame, sehr klar definierte Behandlung.
So darf sie nicht eine einzige Stunde auf die Destillation warten müssen – sonst verliert sie ihren Duft. Auch muss es drei Sonnentage gegeben haben, bevor sie in der Tagesmitte geerntet werden will.
Die Ernte vom Morgen war kaum zu destillieren.

Wir haben es also mit einem sehr gehaltvollen, anspruchsvollen Wesen zu tun.
Bringen wir es in der Kupferdestille in Kontakt mit Wasser und Feuer, läßt sich der Körper nur schwer transportieren. Die bekanntermaßen sehr geringe Ölausbeute erklärt sich auch über die Kompromisslosigkeit dieser Deva: Sie lässt sich nicht wirklich auftrennen. Das Öl muss synchron mit dem wasserlösichen Teil destilliert werden, der Zusammenhalt beider Phasen ist ihre Bedingung. Das gelingt nur durch äußerst sorgfältige Temperaturkontrolle. Dann aber bleibt die sonderbare Verbindung von Kraft und Zartheit erhalten.

Verstehst Du jetzt, weshalb der gute, alte Melissengeist deiner Großmutter ihr „ein und alles“, ihre „geheime Kraft“ war ?

Die Melisse verfeinert die Realität – und läßt das Gegenüber dabei schwer und ruhig werden. Gleich einem dunkelgrünen Filzmantel umhüllt sie Dich mit feinsten Fasern, dicht, diffizil, sinnlich, macht Dich ganz wach – bewegungslos.

Mit dieser Art dient sie all jenen Menschen, die unruhig sind, in Geist oder Körper, Nervosität, Reizbarkeit, Gedankenkreise – aber auch Herzrhythmusstörungen, nervöser Darm und Magen, Hitzewallungen oder Kälteschübe: Melissa klärt und beruhigt, beschwert und besänftigt.

Und genau bei diesem Effekt ist die Wasserphase so entscheidend: Das gewaltsam getrennte, reine ätherische Öl vermag die Verfeinerung nicht herzustellen. Sie bleibt plump und an der Oberfläche – ihres Seelenteils beraubt.
Das Hydrolat jedoch, das in langsamer Ordnung die Ölphase in die Wasserphase aufgenommen hat, vermag die Information zu transportieren und sehr differenziert zu adressieren.
So entfaltet sich die verfeinerte Ruhe-Kraft.

Während ich dies schreibe, nippe ich an einer heißen Tasse duftenden Melissentees.
Übrigens auch nicht einfach so: Die gesamte erste Melissenernte mußte verworfen (!) werden, weil die Melisse nach 48 Stunden trocken und knistrig aussah – es aber nicht war… ein ganz schön anspruchsvolles Kerlchen, diese Melisse…

Auf einem kleinen Berg im Bayerisch-Thüringischen – genannt „Aditi“ – lebt ein Permakulturprojekt für den Anbau reinster Medizinpflanzen.

Unsere handgesammelten, biozertifizierten Kräuter sind auch pur eine Kostbarkeit. Als Tee, Schmuckdrogen hochwertige Bestandteile von Kosmetik und Naturheilmitteln. Wild Natural Spirit legt Wert auf Tradition: Wir verwenden keine Maschinen, fügen Erde und Pflanzen keine fremden Stoffe hinzu und sammeln unsere Ernte per Hand. Unsere Pflanzen aus Eigenanbau werden frei von elektrischen Magnetfeldern sanft in unserer autarken Solartrocknung getrocknet.

> Hier geht es zur Schafgarbe und ihrem Hydrolat