Franz von Assisi

Franz, Clara und die Klostergärten

Den Ruf empfangen

Es war der 800. Todestag des Heiligen Franziskus, in den Chroniken als der 04. Oktober festgehalten, als sich für mich etwas änderte. Fundamental.
Was da in mich Eintritt fand, war nicht ganz neu. Doch es war in all den Jahren ein immer mal wieder aufleuchtendes Bild, eine Idee, eine Möglichkeit, die dann doch immer wieder in der Fülle der Eindrücke und Ereignisse verschwand.
Doch diesmal, an diesem 04. Oktober, wurde aus den flüchtigen Eingaben ein Auftrag.  

Zwischen Welt und Gott

Von Kindheit an brannte in mir eine innige Sehnsucht, ganz in Gott einzutauchen, ganz und gar das Wunder und das Weben der Schöpfung in mich einzulassen und mich von der Mächtigkeit und Schönheit Gottes verschlingen zu lassen.
Dabei komme ich aus einer Familie, die mit Gott nicht viel zu tun hatte. Oder…, das stimmt vielleicht nur für die letzten beiden Generationen über mir… Davor gibt es aus mehreren Richtungen meiner Ahnenlinie innige, ja gar strenge Gläubigkeit im Sinne der Hugenotten und der Mennoniten.
Diese Strenge wirkte durch die Autorität meines ehrgeizigen Vaters hindurch so, dass ich trotz dieser Sehnsucht nach Stille, Andacht, Gottesgegenwart ein fast arbeitssüchtiger Mensch wurde und die Verantwortung für mein irdisches Wohlergehen schon ungewöhnlich früh und vollständig auf mich nahm.
Doch spätestens in meinen Dreißigern wurde ich von dieser spirituellen Sehnsucht so tief ergriffen, dass von da an die Vereinbarung inniger spiritueller Praxis mit einer gelebten, aufrichtigen Teilnahme und Verantwortung in der Welt zur bewussten Aufgabe wurde.
Das irdische Menschenleben mit seinen Schatten und Konflikten belastete mich enorm und ich brauchte zeitlebens sehr viel Raum für mich, Stille und Zurückgezogenheit.
Der Auftrag, den Berg Aditi zu hüten, die zwingende Folge, meine Beratungstätigkeit und meine zahlreichen Reisen hierfür aufzugeben, war wie eine Brücke, diese beiden Seiten des Menschseins zu erleben.
Es ist nicht hilfreich, zwischen diesen beiden Seiten zu polarisieren, von „Systemausstieg“ oder der „alten und der neuen Welt“ zu sprechen. Viele Menschen stehen heute angesichts der schmerzhaft absurden Ereignisse in der Welt zwischen Himmel und Erde, Welt und Gott, und haben das Gefühl, sich entscheiden zu müssen. Oder hoffen wenigstens auf eine Neue Welt, die von den Gemischtwarenhändler*innen der Esoszene ja allenthalben samt Aufstiegskurs angepriesen wird. Ich glaube nicht, dass es eine Neue Welt geben wird, zugunsten derer wir die Alte hinter uns lassen müssen. Vielmehr sehe ich eine Entwicklung in der Menschheit, in der wir aus einem Bewusstsein, dieunddie Person zu sein herauswachsen, hinein in ein Bewusstsein „die Menschheit“ zu sein.

Doch nun schweife ich ab.
Ich wollte von dem besonderen Ereignis am 04. Oktober berichten.

Der Ruf

Dieses Ereignis hat eine Vorgeschichte, die sich über die letzten vier Jahre mit deutlicher Symbolik verdichtet hat.
Da war das Zögern, Probieren und Scheitern, wann immer ein Mensch oder eine Gruppe Aditi als wunderbaren „Gemeinschafts- und Begegnungsort“ identifizierte.
Da war ein langes Gespräch mit einem Freund, der mich letztlich fragte: „Aber Du willst doch nicht Nonne werden?!“ und meine Antwort: „Ich fühle mich seit meiner Kindheit als Nonne“
Da war die Taube Frieda, die plötzlich und dauerhaft auf meiner Terrasse wohnte, sehr zahm war, auf ihren Namen hörte und hin und wieder ganz selbstbewusst in mein Haus spazierte.
Da war das Pfingsterlebnis im Jahr 2024 an der österreichisch-ungarischen Grenze, als ich nach dem Pfingstgottesdienst in Tränen ausbrach und – zu meinem eigenen Erstaunen – voller Leidenschaft schluchzte: „Ich will predigen!“.
Da war das Doppelkonzert zum Sonnengesang des Heiligen Franziskus, dem ich zwei Tage vor dem 800. Todestag des Heiligen Franziskus in tiefer Verzückung lauschte.

Und dann kam der 04. Oktober 2026.
Ein friedlicher, hochschwingender Tag, an dem ich die klare Ansage vernahm:
„Aditi wird ein Kloster im Sinne des Heiligen Franziskus und er Heiligen Clara sein. Und Du sollst das manifestieren.“ Peng !

Das Vermächtnis von Franz und Clara

Es ist nicht das erste Mal, dass ein solcher Auftrag oder Befehl oder Klartext mich erreicht und ich ihm folge. Und es war bisher immer so, dass ich die „Nachricht“, die so klar vernehmbar war, kognitiv nicht gleich erfassen konnte und erst einige Übersetzungsarbeit, einiges Eintauchen vor mir hatte, bevor sich ein Weg, oder wenigstens der erste Schritt auf dem Weg, erkennen ließ. Doch immer hatte ich schon ein paar Puzzlesteinchen in meinem Körbchen, Ansatzpunkte, die mir bei der Übersetzung und bei diesem ersten Pinselstrich auf der weißen Leinwand halfen.
So liegt es nahe, zunächst einmal zu fragen: „Was bedeutet „Kloster“? Und was ist die Besonderheit bei Franz und Clara?

Unter einem Kloster verstehe ich einen nicht für jedermann zugänglichen Rückzugsort, der es seinem Bewohner erlaubt, sich vorrangig der spirituellen Entwicklung, der Einsicht in die tieferen Zusammenhänge des Lebens und dem Gebet zu widmen. Die Ablenkungen der Welt – Unterhaltung, emotionale zwischenmenschliche Bindungen, Besitz- und Machterwerb und jede Form der Selbstwichtigkeit sollen weitgehend „außen vor“ gelassen werden. Kloster kommt von dem lateinischen Wort „claustrum“ – das Abgeschlossene, das Verriegelte.

Und das Besondere an Franz und Clara von Assisi war, dass sie spirituelle Revolutionäre des 13. Jahrhunderts waren, die radikal mit den Traditionen der alten, reichen Klöster brachen. Clara hatte den Mut, beim Papst selbst das „Privileg der Armut“ für ihren Frauenorden durchzusetzen. Franz und Clara forderten absolute persönliche und gemeinschaftliche Armut. Sie durften kein Geld annehmen und lebten ausschließlich von handwerklicher Arbeit und Spenden der Bevölkerung (wohlgemerkt ! keine reichen Mäzene, sondern persönliche Verbrüderung). Clara war die erste Frau in der christlichen Geschichte, die eigene Ordensregeln für Frauen verfasste: Die „“forma vitae“ – „Form des Lebens“. Fasten, Beten, Schweigen und händische Arbeit standen dabei im Zentrum. Das Gebet – als aktive und bewusste Resonanz mit dem Göttlichen – sollte ein möglichst ununterbrochenes Kontinuum sein. Ganz besonders sticht bei diesen beiden außergewöhnlichen Menschen jedoch hervor, dass sie entgegen den Gepflogenheiten ihrer (und auch unserer) Zeit Geschwisterlichkeit und innigen Naturkontakt als Grundpfeiler ihrer asketischen Lebensform setzten. Clara untersagt sogar amtsgebundene Machtausübung. Für Clara und Franz war die Natur kein Ort der Erholung, sondern ein Spiegelbild Gottes und ein Raum gelebter Geschwisterlichkeit.

Wer mich, meine Arbeit und meine Bücher nur ein wenig kennt weiß, dass ich mich mit solchen Grundansichten zutiefst verwandt fühle. Zugleich ist für mich hier und heute mit der frisch erhaltenen Aufgabe sonnenklar, dass ich ganz sicher keine kirchliche Anbindung eingehen werde. Sonnenklar ist auch, dass ich die Trennung religiöser Konzepte hinter mir habe und dass die heutige Rechts- und Gesellschaftsordnung eine echte Subsistenzwirtschaft ebenso verunmöglicht, wie das zu Claras Zeit auch schon der Fall war.
All dies sind ja nun Fragen, mit denen ich seit Jahrzehnten beschäftigt bin und für die ich – Schritt für Schritt – Antworten finde.
Wichtig für mich ist jetzt erst einmal anzuerkennen, dass Aditi wie auch ich unsere Kraft aus der Stille, dem Gebet und der weltlichen Reduktion gewinnen. Und das es meine Aufgabe ist, dies nicht nur deklaratorisch zu manifestieren.

Der erste Schritt auf dem Weg

Wie soll nun ausgerechnet ich eine ganz feste, ortsgebundene Ordensstruktur manifestieren? Ich, die ich gefühlt lebensnotwendig „freien Horizont“ und „maximalen Raum für Spontaneität“ brauche? Wie soll nun ausgerechnet ich das moderne Subsistenz-Verbot durchbrechen, ohne mich von irgendeiner hierarchischen Institution abhängig zu machen? Und – wenn eine Gemeinschaft gemeint ist, was noch nicht ganz klar ist – wie soll ausgerechnet ich, die Rollen und Bindungen für so hinderlich hält, Raum für eine solche geben?
Das sind nur einige der Fragen, die seit dem 04. Oktober sich in meinem Kopf bewegen.  
Fürs Erste habe ich einem Orden der Kapuziner-Clarissen erst einmal einen Brief mit der Bitte um Rat und Begleitung geschrieben.
Fürs Erste werde ich meine im bäuerlichen Alltag etwas reduzierte spirituelle Praxis erst einmal für mich selbst wieder ausdehnen und vertiefen und zum Zentrum meines Tageslaufs machen. Ich werde weiter daran arbeiten, die Rahmenbedingungen an die klösterlichen Bedingungen anzupassen.
Und dann werde ich sehen. Ich bin sehr sanft gestimmt, offen und zuversichtlich ob dieser neuen Eingabe.

Wie das so ist mit Führung und Fügung … schrieb ich in meinem jüngsten Buch „Das Buch Aditi. Eine Einführung in die Magie des Lebens.“ Dort heißt es: Das Geheimnis der Manifestation ist das Zusammentreffen von Liebe, Wille und Gnade.

Wenn Dich meine Zeilen berühren oder gar Bilder und eine Sehnsucht in Dir anklingen lassen, komm gerne in Austausch mit mir.

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