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Alchemie – Das reine Wesen der Dinge

Alchemie

Alchemie und Spagyrik – was ist das eigentlich ? Und was hat Wild Natural Spirit damit zu tun ?
… ich habe mich auf den Weg gemacht, um das herauszufinden: Die Ernte war fast eingebracht, gerade war die Welt durchs „Löwentor“ gegangen (8.8.2020), Mond und Mars standen in Konjunktion, als ich zu meinem Freund Rainer an den Chiemsee fuhr, um endlich gemeinsam Aditis Wermut (artemisia absinthum) alchemistisch auszuarbeiten.
Mein ganzes Auto duftete nach dieser magischen Pflanze, ihr bitter-würziges Aroma und ihre enorme Präsenz saßen mir in jeder Zelle. Ich hatte ihn in seiner ganzen transformierenden Kraft zu Vollmond geschnitten, so wie es die Kunst gebietet, und nun war es an der Zeit, ihn auszuarbeiten.
Bald brannten vier Feuer, die Glaskolben standen bereit, Schmelztiegel, Filter, Helme, gereinigter Alkohol…
Einen vollen alchemistischen Zyklus mit Rainer auszuarbeiten, war schon lange ein großer Wunsch von mir gewesen – in die Tiefe der Elemente abzutauchen, das Augenscheinliche zu zerlegen in seine Grundprinzipien, zu reinigen – und nach langer Arbeit neu zu vereinen als die gereinigte Essenz, das „pure Ganze“.

Zwischenprodukte
Alchemie und Spagyrik
Zwischenprodukte
Alchemie und Spagyrik

Ich sah die heilige Pflanze in den Glaskolben – auf dem einen rannen die Kondensationsstreifen schlangenförmig, wie es der Alkohol macht, in dem anderen teilte sich der Wassernebel in immer feinere Tröpfchen. Das leise „pling pling“ der aus dem Helm tropfenden Destillate begleitete uns mit dem Knistern des Feuers durch mehr als 12 Stunden. Bei der Verwendung des natürlich entstandenen Alkohols für den Auszug sprechen die Alchemisten davon, „der Schlange den Kopf und den Schwanz abzuschlagen“, das heißt, die erste und die dritte Fraktion zu verwerfen um den giftigen Methylalkohol in der ersten Fraktion und die Fuselöle in der dritten Fraktion abzusondern.
Überhaupt ist der ganze Vorgang eine Flut intensiver sinnlicher und feinstofflicher Eindrücke, jeder Handgriff, jede Farberscheinung trägt einen bildreichen Aphorismus, der sehr gut umschreibt, was hier im Tiegel – aber auch im Alchemisten selbst – geschieht.

Die Reinigung der Erde, etwa: Nach langem Glühen und Rühren gewinnen wir die fast weiße Rohasche aus ca 800g Pflanzenmaterial und solvieren sie in destilliertem Wasser diese Mischung wird erneut erwärmt. Dann entnehmen wir den festen Sulfur aus dem Kolben der alkoholischen Destillation und verdampfen die verbliebene Flüssigkeit. Die Lösung wird abfiltriert das was an Festem im Filter verbleibt ist das caput mortuum.
Oder der fixe Sulfur, der durch den Vulkan geht: Der fixe Sulfur aus der Destillation des alkoholischen Auszugs wird abgedampft. Er wird durch den Vulkan gehen und stellt dann das Feuerelement dar.

Den ganzen restlichen Tag und die Nacht saßen wir an den Feuern, destillierten den Wermut in gereinigtem Wasser und in gereinigtem Alkohol, filtrierten, veraschten, kalzinierten. Am nächsten Tag, exakt um 12h37, vollzogen wir die chymnische Hochzeit:
Das gewonnene Sal (die veraschten und geschmolzenen Rückstände des Wermuts) steht für den Körper. Ihm wird zuerst der Merkur – der Geist, Shiva, das alkoholische Destillat – beigefügt, dem Körper der Geist eingehaucht. Und dann folgte der Sulfur – die (gereinigte) Seele, Shakti des Wermut, die im Wasserdampfdestillat der Pflanze ausgearbeitet wurde. (Das ist auch die Ebene, auf der Wild Natural Spirit arbeitet).

Wir gewannen eine lichtgelb leuchtende Essenz, deren Duft bereits durchschlägt. Ein Tröpfchen auf der Zunge erzeugt eine regelrechte „Explosion“. Nie habe ich etwas so kraftvolles und reines in Händen gehalten !

Was ist Alchemie

Die Smaragdtafel (Tabula Smaragdina) ist wohl die älteste Aufzeichnung alchemistischer Praktiken. Sie wird dem ägyptischen Hermes Trismegistos zugeschrieben. Hermes Trismegistos galt von der Spätantike bis zur frühen Neuzeit als Verfasser einer Reihe von philosophischen, astrologischen, magischen und alchemistischen Schriften. Die Tabula ist einer der berühmtesten Texte alchemistischer und hermetischer Literatur. In den rund zwölf allegorischen Sätzen spiegelt sich die Vorstellung eines Zusammenhangs von Mikrokosmos und Makrokosmos. Sie bildete die Basis der ersten „wissenschaftlichen“ Arbeiten zur Heilkunst in Europa, etwa die des berühmten Paracelsus oder Agricola.

Kupferstich von Stolzius von Stolzenburg, Theatrum Chymicum anno 1614, Bildquelle Wikimedia
Kupferstich von Stolzius von Stolzenburg, Theatrum Chymicum anno 1614, Bildquelle Wikimedia

Die Trennung zwischen Chemie und Alchemie im 18./19. Jahrhundert markiert einen Wendepunkt im menschlichen Verständnis der Natur: In der Alchemie gehen wir von einer belebten, sich ständig wandelnden Natur aus. Nichts, das lebt und unveränderlich wäre. Das Unveränderliche, das, was sich im alchemistischen Prozess nicht mehr lösen und wandeln lässt, nennen wir „caput mortuum“ – Totenkopf. Es wir aus dem alchemistischen Prozess herausgenommen,

Die moderne Chemie geht von fixen Elementen mit einem festen, atomaren Aufbau aus. Sie analysiert die Wirkung von Stoffen über das quantitative Vorkommen bestimmter Elemente – und betrachtet auch den Körper, auf den eine Substanz wirkt, als fest definiertes Gefüge biochemischer und physikalischer Abläufe. Kopfschmerzen – Aspirin – das ist die einfache Lösung, die gerade in der Inneren Medizin so wenig wirklich löst.
Die bis heute naturwissenschaftlich unerklärte „vis vitalis“ – die Lebenskraft, die einem Gemenge von festen Stoffen Bewusstsein, Empfindungsvermögen, Gestaltungskraft einhaucht, wurde schlicht ausgeklammert.
Die Alchemisten hingegen interessieren sich für genau dieses Phänomen. Neben der Signaturenlehre, der Transmutation und der Nutzung kosmischer Einflüsse ist die Alchemie ein komplexes Handwerk, eine anspruchsvolle Wissenschaft. Es geht darum, das Ursprüngliche, Lebendige zu reinigen vom Leblosen – dem Caput mortuum – , das sich nicht mehr wandelt und somit leb- und wertlos ist.
Das in vielen Destillations-, Veraschungs- und Schmelzvorgängen gewonnene „reine Lebendige“ jedoch wird dann – nach Ausscheidung des caput mortuum“  in der sogenannten „Chymnischen Hochzeit wieder vereint.

„Visita Interiora Terrae Rectificando Invenies Occultum Lapidem”
„Untersuche die inneren Bereiche der Erde. Durch Reinigen wirst Du den verborgenen Stein finden“

Was macht Alchemie

Die Alchemie ist die hohe Kunst der Heiler und Wissenschaftler zwischen dem 1. Jahrhundert und etwa dem 18. Jahrhundert, in dem langsam die neuzeitliche Naturwissenschaft oberhand bekam mit ihrem mechanistisch-kausalistischen Ansatz. Mittlerweile ist ihr Einfluß so weit gewachsen, daß die alten Heilwege nicht nur weitgehend als wirkungsloses Blendwerk diskreditiert sind, sondern daß kein anderer als ein etablierter Naturwissenschaftler, bezeugt von pharmazeutischen Institutionen,  behaupten darf, ein Heilmittel zu kennen oder zu haben.
In unserer Zeit kennen wir letzte Reste der Alchemistischen Kunst unter dem Begriff „Spagyrik“. Drei, vier Unternehmen weltweit widmen sich dieser Kunst und wagen immerhin die Aussage:

Spagyrische Essenzen wirken ganzheitlich und regen Psyche und Körper an, wieder ins Lot zu kommen und sich so selber zu heilen. Sie können vorbeugend zur Gesundheitserhaltung sowie zur Therapie von akuten und chronischen Beschwerden bei Menschen wie auch bei Tieren eingesetzt werden.“
Zitat von der Website der Heidak AG in der Schweiz

Feuer hüten die ganze Nacht
Alchemie und Spagyrik
Feuer hüten die ganze Nacht
Alchemie und Spagyrik

Ich kann ja bereits bei der Herstellung der Wild Natural Spirit Essenzen beobachten und erfahren, wie nicht nur die sorgfältige technische Handhabung, sondern auch das „Beseelen“ der verarbeiteten Pflanzen zu einer erstaunlichen Erhöhung der Wirkkräfte führt. Und hier arbeiten wir „nur“ mit der Seele der Pflanze.
Durch den kompletten alchemistischen Prozess zu gehen – auch den fixen Sulfur (Rückstand im Destillationskessel) zu gewinnen, die Pflanze ganz zu veraschen und hinzuzufügen verstärkt Resonanz und Verfeinerung des gesamten Ergebnisses.

Und nicht nur in der „Flasche“, die wir letztlich befüllen mit spagyrischer Tinktur (alkoholisches Destillat), spagyrischer Essenz (Wasserdampf-Destillat) und der verglühten Asche des Wermut, halten wir ein hoch schwingendes „Instrument“, eine Verwandlung des ursprünglichen Wermuts, der nur noch aus den gereinigten Grundprinzipien in der für ihn eigenen Zusammensetzung besteht.

Auch mit uns selbst hat sich eine Transmutation vollzogen, das Feuer der Nacht, die Dämpfe aus dem Kolben, die Konzentration auf den Vorgang der Reinigung und die Kraft des Lebendigen hat uns Adepten selbst verwandelt.

Ausblick

Alchemie und Spagyrik: so ist das also !
Ich bin sehr dankbar, mit Rainers erfahrener Begleitung diesem Vorgang einmal ganz beigewohnt zu haben. Und ich hüte unser „Werk“ mit Argusaugen und tiefem Respekt. Wir haben besprochen, daß wir 20 mal 5 ml der spagyrischen Essenz frei geben. Wenn Du eines der kostbaren Fläschchen erhalten möchtest, schreibe mit bitte.

Wird diese Erfahrung Auswirkungen auf unsere Arbeit für Wild Natural Spirit haben ?
Bis dato bin ich bereits sehr zufrieden mit den Ergebnissen, die wir aus der reinen Wasserdestillation unserer Heilkräuter erzielen. Die Produktbewertungen quellen über von erstaunlichen und erfreulichen Rückmeldungen zur Qualität der Spirits.

Evelin und Rainer bei der chymnischen Hochzeit
Alchemie und Spagyrik
Evelin und Rainer bei der chymnischen Hochzeit
Alchemie und Spagyrik

Die alchemistischen Prinzipien basieren ja ebenso wie die von mir seit 30 Jahren genutzte TCM (Traditionelle Chinesische Medizin) auf der Elementenlehre. Überhaupt gibt es viele Übereinstimmungen der beiden Ansätze aus so unterschiedlichen Kulturen wie dem alten Ägypten und dem Alten China.
Doch weiter lernen will ich sicher !

Jetzt ist allerdings erst einmal geboten, daß wir lernen, mit der großen neuen Kupferdestille umzugehen – eine Alambique diesmal, die uns eine noch langsamere und differenziertere Aufschließung unserer Kräuter ermöglicht.
Im Oktober dann gibt es erst einmal TCM in der Tiefe mit den drei Seminaren zu Diagnostik, Therapie und Ernährung nach den Fünf Elemnten.
und … wer weiß … vielleicht gibt es in 2021 ja ein Seminar mit Rainer zu den Grundlagen der Alchemie.


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Der Wermut und sein Destillat – Leben in Fluss bringen

Wermut

Der Wermut ist bekannt als Kraut zur Leberreinigung. Doch er kann viel mehr: Die Artemisia ist eine Spezialistin für Grenzen. Sie liebt es, das Reine vom Unreinen zu trennen, Grenzen zu ziehen – und dann über sie hinaus zu wachsen. So steht auch auf Aditi der Wermut (Artemisia absinthum) an den Grenzen des Hauptgartens und leuchtet mit seinen silbrigen Blättern und seinem ganz markanten Duft wie ein Wächter das Ende und den Beginn des Gartens aus.

Und auch wenn wir im Deutschen „der“ Wermut sagen, so ist diese Pflanze doch eindeutig weiblicher Natur – taucht ein in die Tiefe, rüttelt dort, befeuert und bringt in Bewegung, was sich festgesetzt hat. Für mich ist sie die Majestät, die Wächterin und die, die ent-scheidet und die Grenze zwischen Äther (Bestimmung) und Feuer (Handlung) durchbricht.

Eine Heilerinnen-Familie

Wermut

Überall auf der Welt begegnen wir der Pflanzenfamilie der Artemisia (Beifußgewächse).
Überall auf der Welt nehmen die Mitglieder dieser majestätischen Familie eine zentrale Rolle im Kreis der Medizinpflanzen ein: In Japan und China sind Kügelchen aus Artemisia princeps (japanisch: yomogi) das „Werkzeug“ für die hochwirksame Moxibustion. Die nordamerikanischen Schamanen weihen ihre übrigen Medizinpflanzen mit Artemisia frigida – sie darf selbst aufgrund ihrer Kraft nicht im selben Zelt wie die anderen Heilpflanzen gelagert werden. In der keltisch germanischen Kultur vertreibt der Beifuß (Artemisia vulgaris) Dämonen und wurde in Schutzkränze und Beutel eingebunden. Und in der Guanchen-Kultur auf den Kanaren erfüllt der Duft des „Incensio“ (Artemisia thuscula) die zerklüfteten Barrancos, macht uns wach, treibt uns vorwärts – über die Klippen zum nächsten Gipfel. Ich erinnere mich gerne an die Jahre, in denen ich dieses kostbare Kraut in der sengenden Atlantiksonne sammelte und bei Räucherritualen einsetzte, bei denen es darum ging, Überkommenes endgültig abzuschneiden und einen mutigen Schritt nach vorne zu tun.
Und nun baue ich ihre Schwester, die Artemisia absinthum, hier auf Aditi selbst an.
Diese besonders aromatische Art der Artemisia zeichnet sich aus durch eine hohe Konzentration an Bitterstoffen (bis 0,4%) aus der Gruppe der Sesquiterpenlactone, darunter Absinthin mit 0,2 bis 0,28 % als Hauptkomponente. Absinthin ist beteiligt an der appetitsteigernden, verdauungsfördernden, blähungs- und gallenflußtreibenden Wirkung des Wermutkrauts und der wesentliche Bestandteil des berühmt-berüchtigten Absinths.
„Bitter“ – diese Geschmacksrichtung steht in der Traditionellen chinesischen Medizin für das Feuerelement. Pflanzen mit der Eigenschaft des Feuerelements wirken transformierend, bringen in Bewegung, heben Festes auf und sind mit den Organen Herz und Dünndarm verbunden.
Hildegard von Bingen lobt das Kraut:

„Die Wermutkur unterdrückt die Lanksucht (sie meint die Nierenverkalkung), unterdrückt die Melancholie, macht deine Augen klar und stärkt das Herz.“

Artemis – Göttin der Frauen und der Kinder

Die griechische Göttin Artemis – deren Attribute nicht nur die Jagd und die Freiheit sind, sondern die ihren Schutz besonders über das Wohl der Frauen und der Kinder legt – hat diesem Kraut sicher nicht zufällig ihren Namen gegeben. Ihre bekanntesten Attribute sind die silbernen Pfeile und der silberne Bogen, mit denen sie sehr treffsicher ist. Wir dürfen diese Göttin durchaus als Äquivalent zur indischen Kali verstehen, die gnadenlos ausräumt, was nicht wahr ist und zugleich mit großer Tapferkeit das Weibliche, das Wahre, das Fließende beschützt.

Wermut

Als ich im vergangenen Jahr die Strukturen meines Gartens verfeinerte, noch einmal die Himmelsrichtungen mit der Pflanzenenergie abstimmte, die Mikroräume der Beetaufteilung nachempfand und den Energiefluß im Garten überprüfte, fand ich drei Stellen, an denen die Energie stagnierte oder einfach „verschwand“. Es fehlte an diesen speziellen Punkten der „Süden“ – das Bewegende, daß Grenzziehende, das Durchdringende und Wärmende. Dorthin setzte ich meine vorgezogenen Wermutpflänzchen – und vergaß sie über die intensive Erntezeit.
Bereits im Herbst leuchteten die majestätischen „Balsamsträucher“ bereits von Weitem – die Lücken waren geschlossen, die Integrität des Gartens bereinigt und stabilisiert.
Als ich sie erstmalig für die Destillation erntete, war mir ganz schwummerig von dem intensiv aromatischen Duft, den die Pflanze vor allem dem Thujon verdankt. Thujon wirkt auf die Neurotransmitter – ähnlich dem Cannabis – und hat vordergründig eine euphorisierende Wirkung. Im Unterschied zu Cannabis ist der Wermut aber eine Sonnenpflanze – führt uns also nicht in die mondhaften Schattenbereiche sondern in die lichtvollen Gefilde der Sonne, der Klarheit und Unterscheidungskraft.
Gleichwohl muß der Wermut wegen dieses Wirkstoffs sorgfältig dosiert werden. Und natürlich hat „der Gesetzgeber“ diese Wirkung im Rahmen des Arzneimittelgesetzes mit einem Privileg für die Pharmazie vorgesehen – so lange er nicht im Rahmen von Lebensmitteln einen Gehalt von 0,5 – 35mg/kg unterschreitet.
…. Zum Glück sind die Spirits Lebensmittel und der Thujongehalt in den Reindestillaten unterhalb dieser gesetzlichen Grenze … 😀

Reichlich „inspiriert“ ging ich mit meinen Erntekröben also zur Destille. Ich zerkleinerte 9 Kilo des Krauts, sah die „silbernen Pfeile der Artemis“ in die Kupferkolonne fallen. Hinter mir rauschte bereits der Kessel auf dem Feuer, der Himmel war bedeckt, es ging ein spürbarer Wind.
Keine guten Bedingungen für die Destillation unter freiem Himmel – doch so viel Bewegung im System sind dem Wermut gemäß.
Die zart gefingerten, duftenden Blättchen von ihrer zarten Substanz hielten den Dampf eine gute Stunde zurück – bis sie ihn endlich passieren ließen. Und da trat er hervor, der erste Tropfen von Artemisias Seele.
Längst war der Destillationsplatz gefüllt von dem berauschenden Aroma, das klare Destillat zeigte mehr und mehr einen dicken, schwarzen Ring, der sich auf der Oberfläche der wässrigen Phase sammelte: Das schwarze Öl des Wermut.

Wermut

Und obwohl ich sorgfältig Fläschchen um Fläschchen befüllte und den Thujongehalt auf dem zulässigen Maß balancierte, setzte sich auch in den Fläschchen schnell der schwarze Ring des ätherischen Öls ab, definierte und begrenzte den Raum – auch in der feinstofflichen Phase. Beim Auswaschen des Scheidetrichters betrachtete ich den Niederschlag auf dem Laborglas: Keineswegs ist das Öl schwarz, wie es während der Destillation anmutete. Vielmehr schillert es in den Farben der Pfauenfedern – von goldbraun über tiefes dunkelgrün hin zu azurblau.Artemisia hatte den dunklen, schwarzen Wust getrennt, in seine ursprünglichen Einzelkomponenten zerlegt, das Explizite sichtbar gemacht – und eine magische Struktur auf das Laborglas gemalt.
Und ich bemerkte, wie meine Gedanken zu einem „Schluß“ kamen, wie der Wust an Empfindungen und Erwägungen, der sich seit Wochen in mir drehte, sich auf einen Punkt verdichtete.
Die Gebärende hatte losgelassen, hervorgebracht. Das „Kind“, war klar und rein – Worte konnten mit Leichtigkeit gefunden, Entscheidungen getroffen, Handlungen geordnet werden.

Der berühmte Schweizer Kräuterpfarrer Künzle (1857-1945) schrieb: “Ist einer grün wie ein Laubfrosch, mager wie eine Pappel, nimmt täglich ab an Gewicht und Humor und wirft keinen Schatten mehr, der probiere es mit Wermut”.
Aber Vorsicht: Der Wermut ist auch ein Rauschmittel – also schön sachte !

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Zarte Glückseligkeit – Der Fenchel und sein Hydrolat

Fenchel Naturkosmetik

Der Fenchel ist eine Pflanze, die auch bei Hildegard von Bingen eine zentrale Rolle spielt. Sie schreibt in ihrem Kräuterbuch „Wie auch immer er gegessen wird, macht er den Menschen fröhlich und vermittelt ihm angenehme Wärme und guten Schweiß und eine gute Verdauung.”“

Und diese Zeilen führen mich zurück in die Momente, in denen ich bei der Hege der außerordentlich zarten Pflanzen alles um mich herum vergaß und erfüllt von tiefer Freude und Genügsamkeit Reihe für Reihe lockerte, die wuchernde Brennnessel beiseite schob und die zauberhaften Fenchelpflänzchen ihre zarten Glieder in die Sonne reckten.
Diese Zartheit nahm der eigentlich groben Arbeit die Mühsal, verlieh meinen Bewegungen und Gedanken etwas Leichtes, Liebevolles. Oder war es die Pflanze selbst, die mich mit ihrem süßlich herben Duft so weich stimmte ? Ist der Fenchel ein Stimmungsaufheller ?

Was hat sie in sich, diese schon bei den Griechen bekannte Heilpflanze ?

(die Griechen nahmen den Fenchel zu sich, um den Hunger zu stillen – das macht das Fenchelaroma übrigens zu einem fabelhaften Appetitzügler bei dem Wunsch nach Gewichtsreduktion)

In den Heilbüchern finde ich diese Einträge: „Fenchel wird verwendet bei der Behandlung von Nieren-, Leber-, Erkältungen, Magen-Darm-Krämpfen und Koliken. Wegen des Gehalts an ätherischen Ölen ist Fenchel auch ein Bestandteil von Arzneimittel zur Behandlung von Erkrankungen der Harnwege, bei Diabetes, Übergewicht und für Magen und Gallenkoliken. Fenchel-Wasser (aqua Foeniculi) wird zur Behandlung von Augen und zum Gurgeln verwendet.“

Und wenn ich mir die Biochemie dieses Doldenblütlers ansehe, so finde ich einen wahren Heil-Cocktail an ätherischen Ölen (unter anderem trans-Anethol, Fenchon, α-Pinen, Camphen, Myrcen, α- und β-Phellandren, α-Terpinen, cis-Anethol, Limonen, Terpinolen, Estragol, p-Cymol; Kraut: α-Phellandren, α-Pinen, cis-Anethol, Myristicin, α-Terpinen, Limonen).
Kein Wunder, daß dem Fenchel so viele heilsame Wirkungen zugeschrieben werden. Unter anderem schreibt das Apothekerbuch für Heilpflanzen über die Öle im Fenchel „ Sie lösen festsitzenden Schleim aus den Bronchien und fördern zugleich dessen Abtransport aus den Atemwegen. Fenchelfrüchte können daher Erkältungsbeschwerden wie Husten und Schnupfen lindern. Außerdem wirkt das Öl verdauungsfördernd und krampflösend, weshalb Fenchel als Tee gegen Blähungen und Völlegefühl hilft.“

Erfreulicher Weise hatte ich mich bei der Wahl des Saatguts für den „Süßen Saatfenchel“ entschieden, der kaum mehr Estragol enthält. So kann ich sicher sein, daß das Fenchelhydrolat bekömmlich ist. denn: Das bei Überdosierung vom  Bundesinstitut für Risikobewertung als gefährlich eingestufte Eugenol und Estragol taucht nur im Fencheltee, nicht aber im Hydrolat auf. Das liegt an deren sehr hohen Siedepunkt. So ist das Hydrolat für Schwangere und Baybies, die den Fenchel als Heilmittel bei Blähungen, zur Milchbildung und als Schlafmittel nutzen, wesentlich sicherer, als der Tee.

Fenchel als Anti-Aging-Mittel in der Naturkosmetik

Und noch etwas entdeckte ich, als ich bei den fast neongelb blühenden, zarten Pflänzchen saß und mich an ihrer skurrilen Form erfreute: Er hat etwas Erfrischendes, Glättendes, Verjüngendes an sich.

Ich las nach und fand, dass das der Fenchel in der Kosmetik – wie auch unser Roter Sonnenhut – ein phänomenal effektives Anti-Aging Mittel ist. Die kosmetischen Test und auch das INCI-Register belegen, daß die Inhaltstoffe des Fenchel kräftigend, geschmeidig machend  und hautpflegend sind und erste Fältchen rasch verschwinden lassen oder mindern.

Wow – das hab ich natürlich gleich ausprobiert. Und zwar mit unserem einzigartigen (!) Reindestillat. In der Tat führte die Verwendung der des Gesichtspflege-Destillats von meinem liebevoll gehegten Fenchel zu einer Auffrischung und Glättung meiner Haut. Für mich – nach TCM-Systematik eher eine „heiße, trockene, feste“ Erscheinung – funktionierte allerdings der Rote Sonnenhut noch besser, der meine Haut tatsächlich um ein Vielfaches jünger erscheinen läßt.

Freundinnen, mit einer eher kühlen, weichen Natur, schwärmen von der Bio Fenchel Gesichtspflege. Nicht nur, weil sie tatsächlich die Haut verjüngt, sondern auch, weil sie eben komplett ohne Zusatzstoffe ist. 100% Pflanzendestillat eben.

Es ist schon spannend, wie sich der Kräuterkreis hier auf Aditi entwickelt und langsam schließt. Ich habe mir die 13 Sorten nicht „ausgedacht“, sie kamen natürlicher Weise, eine nach der anderen hinzu – irgendwie intuitiv, manchmal ganz konkret an bestimmten Plätzen, wo ich „vernahm“, daß hier genau dieses Kraut hin paßt. So war das auch beim Fenchel, der jetzt auf einem nordwestlichen, halbkreisförmigen Beet gedeiht und seine blaugrünen, zart gerieften Stängelchen mit den vielzähligen, feinen Verästelungen in den kühlen Winterhimmel reckt.

Was für ein süßer Gefährte !