Der Salbei und sein Hydrolat


Mit dem Salbei beschreibe ich in diesem Erntejahr die letzte Pflanze und ihr Hydrolat. Im kommenden Jahr werden noch einige weitere Pflanzen im Permakulturgarten hinzu kommen, die unser Angebot an Hydrolaten und Rohdrogen erweitern und dem Garten seine natürliche Vielfalt schenken. Für nun jedoch wollen wir den „Hüter der Grenzen“ näher betrachten – und sein Öl-Hydrolat:

Die sechste Pflanze, die auf Aditi wächst und zum wertvollen Öl-Hydrolat verarbeitet wird, ist ein langjähriger und ganz zentraler Begleiter für mich: Der Salbei.

Der aufrechte Habitus mit den dicken, silbergrünen Lanzettblättern und den verlockend violetten Blütenständen ist der saturnische Wächter des Raumes, in dem er steht. Sein volles, würzig-frisches Aroma geht in die Tiefe, in den dunkelsten Winkel und führt ihn auf seine Essenz, auf sein Stoma. Was nicht hinein gehört, wird ausgetrieben.

So steht die seit Urzeiten geachtete Heilpflanze auch für Wahrhaftigkeit, Aufrichtigkeit und das rechte Maß.

Das Arzneimittelbuch schreibt über den Salbei „Cineol, Campher, Borneol, Thujon, Bitterstoffe, Gerbstoffe, Flavonoide sind verantwortlich für die entzündungshemmende, antibakterielle, schweisshemmende, fungistatische, virusstatische, sekretionsfördernde, zusammenziehende Wirkung. So sind die Indikationen: Schleimhautentzündungen im Mund- und Rachenraum, bei vermehrter Schweisssekretion, Fieber, Grippe, Abstillen der Milch, Weissfluss, Magen-Darmbeschwerden, Durchfall, Hitzewallungen in den Wechseljahren.“

Das mag ja alles stimmen und seit Jahrhunderten bewährt sein für die Rohdroge als Tee (die es auch in meinem kleinen Online-Laden gibt https://wild-natural-spirit.org/shop/).

Beim Hydrolat mit seinem ätherischen Öl sehe ich jedoch einviel weiteres und auch subtiles Wirkspektrum: Wieder erschließt sich die Seele der Pflanze – und damit ihre Tiefe – erst durch das Verdampfen der vom äußeren Pflanzenkörper gelösten Öle und wasserlöslichen Wirkstoffe, denn Feuer und Wasser gemeinsam heben die strengen, körperlichen Grenzen der Pflanze auf und machen ihr Wesen „beweglich“ und „übertragbar“.
Damit die vollständige Information erhalten bleibt, ist es wichtig, im Destillat das gewonnene ätherische Öl und das Hydrolat zusammenzuhalten.

Beim Salbei, der die Klarheit und Essenz per se repräsentiert, aktivieren wir durch die Destillation die reinigende, trennendevKraft, die wir auch vom Verräuchern des Salbeis kennen: Das Wahre wird vom Falschen getrennt, der Raum bereinigt – physisch und psychisch.

Natürlich ist die direkteste Anwendung die im Rachenraum. Ein Kunde kaufte das Hydrolat, weil der Sohn keinen Salbeitee mochte und doch Halsschmerzen hatte. Die Halsschmerzen konnten laut Rückmeldung wohl behoben werden – doch ich schätze: Noch so manches darüber hinaus.

Denn die Entzündung im Rachen oder die übermäßige Produktion von Schleim (Schnupfen, Weißfluß, Schweiß… ) als die klassischen Anwendungsgebiete sind ja nur Symptome einer Grundverfassung, deren Innen-Außen-Barrieren geschwächt sind und eines Systems, das vergeblich sucht, das „Fremde“ herauszuschwemmen. Es ist die Eindeutigkeit und Kompromißlosigkeit des Salbei, die hier Unterstützung bringt und Grenzen dahin setzt, wo sie hingehören und nötig sind.

Ich wußte das schon, als ich im März hunderte von kleinen Saattöpfchen mit den Salbeisamen bestückte: Wenn er erst einmal gekeimt ist,werde ich ihn recht bald hinaus aufs Feld setzen können. Denn obwohl die Erde erst frisch umgebrochen und übervoll mit allerlei starken Wiesenkräutersamen war, so war doch gewiß, daß der Salbei den Raum nehmen würde, der ihm zugewiesen war. Allein die Samenform – recht große, ganz ebenmäßige schwarze Kügelchen– sprachen von der Kraft, die ich da nach Aditi brachte…
(Aditis Wiesen sind übrigens lila von den Unmengen an Wildem Salbei – Salvia arvensis. Vielleicht finde ich im kommenden Jahr Zeit, auch hiervon einmal ein Hydrolat zu arbeiten).

Und tatsächlich: Als ich drei Wochen später hunderte kleiner Salbei-Keimlinge in den groben Ackerboden setzte – noch dazu in seine bevorzugte Richtung, den Westen – mußte ich nicht mehr viel tun, um ihn auf den Stand zu bringen, in dem er jetzt den Winter locker meistern wird: Während ich in allen anderen Beeten 2 -3 mal sehr intensiv zu jäten hatte und die Pflanzen sich nur langsam gegenüber den ansässigen Winden und Nesseln, Storchenschnäbeln und Disteln durchsetzen konnten, wahrte der Salbei von klein auf seinen Raum und schloß atemberaubend schnell die Reihen.

Bereits im Juni betörte er uns und die Bienen mit seinem charakteristischen Duft, so daß die erste Destillation bereits Ende Juli erfolgen konnte.

Reich an Ölen – obwohl doch eine so junge Staude – floß das Hydrolat aus der Destille.
Zugegeben, ich habe nur einen kleinen Teil der stehenden Pflanzen geerntet, um den Bestand im ersten Jahr stark und wirklich winterhart gedeihen zu lassen. Doch das, was nun im Lager bzw. größtenteils schon bei meinen Kunden in den kleinen braunen Fläschchen wartet, ist Reinigung und Klarheit pur.
In der TCM wird der Salbei als kühlend und trocknend kategorisiert – ein weiterer Hinweis auf die ausleitende und stabilisierende Wirkkraft. Auch die Zuordnung zum Milz-Yang entspricht meiner Beobachtung dieser bestärkenden und klaren Deva: Die Milz ist in der TCM das Kraft- und Regelwerk des Körpers. Dem Erd-Element zugeordnet ist sie zuständig für die richtige Temperatur im Körper und für die gleichmäßige Verteilung des Chi. Jedem Kranken wird in der TCM die warme und getreidelastige Mahlzeit am Morgen nahegelegt, um dieses Milz-Chi zu stärken.

Und da gibt es noch einen Aspekt der gestrenegn Salbei: Er ist ein Verführer … So möchte ich nicht zuletzt erwähnen, daß ich persönlich das Salbei-Öl-Hydrolat als Parfum benutze. Das holzig, grüne, frische Aroma umgibt mich mit einem Duft, den ich von Herzen zu schätzen weiß.

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Sieh Dich gerne um in meinem kleinen Paradies: Auf www.wild-natural-spirit.org findest Du viele Informationen zu Aditi und ihren Permakultur-Gärten, zu den rein händischen Produktionswegen, die frei von fossilen Brennstoffen,Pflanzenschutz und Dünger sind – zu unserer schönen Vielfalt an Rohdrogen, Hydrolaten mit dem vollen ätherischen Öl (das findest Du sonst weltweit nirgends, weil alle das kostbare ätherische Öl entziehen und einzeln verkaufen), an Räucherwaren und Rauchzeug.

Auch Kurse, an denen Du teilnehmen kannst und wertvolle Hinweise zu Pflanzen und kultischem Hintergrund finden sich auf der Seite.

Einen Hinweis noch an meine lieben Besteller und Bestellerinnen:
Da ich der deutschen Gesetzgebung unterworfen bin, darf ich keine Heilversprechen machen und nicht einmal konkrete Anwendungshinweise geben.
Mit diesen Hydrolat-Profilen gebe ich jedoch auf gesetzeskonforme Weise meinWissen weiter. Zudem kannst Du – wenn Du selbst ein „Mittel“ für Dich suchst –folgende Prüfung für Dich vornehmen:

  • ist dein System eher überhitzt oder unterkühlt ?
  • eher feucht oder eher trocken ?
  • eher fest oder eher formlos ?
  • energiereich oder energiearm ?

Für die Hydrolate (nicht Rohdrogen) gilt:

  • Kamille, Ysop, Melisse kühlen,Schafgarbe, Calendula und Salbei wärmen.
  • Schafgarbe, Melisse, Calendula befeuchten und lockern, Kamille, Salbei, Ysop trocknen und festigen.
  • Schafgarbe, Melisse leiten Energie ab,Ysop, Calendula, Kamille und Salbei führen Energie zu.

Betrachte deine Gesamtverfaßtheit. Auf diese Weise findest Du am besten, was Dir guttut und hilft.