Kraftorte und Werkzeug

Unsere Vorfahren kannten sie: Die besonderen Orte in der Natur, an denen bestimmte Stimmungen gut aufgehoben, bestimmte Einsichten leichter zugänglich und hilfreiche Kräfte verfügbar waren.

In unserer Zeit gibt es zwar noch ein vages Verständnis dafür, dass „Natur gut tut“– jede/r weiß, dass ein Spaziergang im Wald oder ein paar stille Minuten am See beruhigen und Kraft geben. Doch die meisten haben das Wissen um die Kraftorte verloren. Während der Auszeit „Was Dir wirklich wichtig ist“ lernen Sie solche Kraftorte kennen…

Ein starker Kraftort wird zu dem was er ist, durch drei Faktoren:

  • seine örtlichen Gegebenheiten (Lage, Geologie und Bestand an belebter Natur)
  • sein Gedächtnis
  • die Verbindung zwischen Ort und Besucher/in

Während unserer Auszeiten reisen wir an drei besondere Orte auf drei Kontinenten: In das Anagagebirge auf Teneriffa – eine Vulkaninsel mit außerordentlicher Fauna, Flora und Geschichte (mehr dazu in den nächsten beiden Beiträgen). Auf die Insel Koh Phangan im Golf von Siam – eine Pazifikinsel, größtenteils bewachsen mit tropischem Urwald und bei den Einheimischen wegen ihrer Bedeutung für frühere Rituale und traditioneller Feierlichkeiten auch die „Insel der Grenzen“ genannt. Und in das thüringische Werratal, ein Juwel im Thüringer Becken, Zentrum germanischer Geschichte und Südspitze eines einmaligen Naturparks. Allein diese „Kulissen“ für unsere Exkursionen und Elementarerlebnisse während der Auszeit sind von außerordentlicher Schönheit und Unberührtheit.

Die Plätze selbst, zu denen wir während der Seminarwochen gelangen, verfügen zudem über außergewöhnliche Felsformationen oder Wasserläufe, phänomenale Baumriesen oder erhebende Ausblicke. Sämtlich sind sie gehütet von wenigen eingeweihten  Einheimischen, denn sie sind seit Jahrhunderten Orte der inneren Sammlung und/oder Initiation.

Dies nenne ich das „Gedächtnis“ eines Ortes: Orte, an denen viele Momente der Andacht und Hingabe stattgefunden haben und die (auch deshalb) eine besondere Fürsorge durch die Menschen erfahren, tragen eine besondere Atmosphäre oder Aura, die spürbar ist für ihre Besucher/innen.

Nicht selten wachsen an solchen Orten auch „Medizinpflanzen“ – Pflanzen also, die durch ihre Inhaltstoffe oder pure Präsenz eine besondere Wirkung auf den Menschen haben.

So findet man im Anagagebirge nicht nur eine Vielzahl von Heilpflanzen, die auch in der modernen Medizin Bedeutung haben (etwa Sarsaperilla oder Artemisia), sondern auch Pflanzen, etwa aufgrund psychotroper oder spritueller Wirkung verehrt werden.

In Thailand finden wir die außergewöhnlichsten Formen von Pflanzenwesen – sei es nun der wilde Ingwer mit seiner vitalisierenden Präsenz oder die endogenen Lianen, die besondere Plätze verbergen oder öffnen können.

Die Drachenbäume auf den Kanaren sind nicht durch Zufall im Zentrum des Totenkults der Guanchen – als Formation inmitten der Berge erinnern sie an unsere Verhaftung mit Mutter Erde und die Verletzlichkeit unserer Wurzeln.

Ein wichtiger Aspekt unserer Auszeiten ist es, die persönliche Rückverbindung mit sich selbst, der Natur und dem Leben wiederherzustellen und Erfahrungen zu vermitteln, die den bisherigen Horizont öffnen hin zu einem erweiterten, selbstbestimmten Leben. An den Kraftplätzen entsteht die hierzu erforderliche innere Stille und Andacht mit Leichtigkeit – so dass traditionelle Rituale oder die schlichte Betrachtung belebter Natur ihre nachhaltige Wirkung entfalten können.

 

Dieser Artikel wurde entnommen aus dem Reisetagebuch von http://www.seminar-und-reisen.de